Larry Brent – Das Sanatorium (Hörbuch)

Ich hatte es schon beinahe vergessen, dass mein Roman zur Larry Brent Serie (Das Sanatorium) auch als Hörbuch erscheinen sollte.
Um so erfreuter war ich, als mir mein Verleger Jörg Kaegelmann mein Rezensionsexemplar zusandte.
Ich bin ja eigentlich eher der Selbstleser, war aber unheimlich neugierig, wie sich eine meiner Geschichten vertont „anfühlt“.

Mein erster Eindruck war:
Woooah! Was ist das für ein geiles Intro! Macht jedem Krimi alle Ehre.
Dann mein eigentlicher Roman. Auf einer Doppel-CD wunderbar eingelesen von Wolfgang Rüter, dessen Stimme man sehr gut folgen kann. Dann die Stimmen zu den Figuren, teilweise von bekannten Künstlern gesprochen … muss ich weiter erzählen?
Nö, ich denke nicht 😀
Einziger Wermutstropfen:
Das D.J. meines Namenskürzels würde englisch ausgesprochen als „Die-Jäi“ schöner klingen, als „Deh-Jott“ 😀
Aber das ist absolut verschmerzbar, denn so eingelesen und vertont, wie er jetzt als Hörbuch mit Effekten und Musik erhältlich ist, haut mich mein eigener Roman nochmal von den Socken und mehr als einmal fragte ich mich: Wann zur Hölle habe ich denn diesen Satz, oder jenen Absatz geschrieben?
Ein tolles Erlebnis für mich, und hoffentlich auch für die Zuhörer (oder heißt es Hörbuchhörer?)
Meinen Dank an Wolfgang Rüter 🙂

Larry Brent – Das Sanatorium bei Amazon als Hörbuch (Doppel CD).

Larry Brent - Das Sanatorium

Informationen zu Wolfgang Rüter
Wikipedia
Über Wolfgang Rüter auf der Agenturseite

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Ein Lebenszeichen

Beinahe zwei Jahre habe ich diesen Blog und das Schreiben ruhen lassen.
Ich habe mich aus FB und Foren zurückgezogen, mich um andere Dinge und Hobbys gekümmert, die meine ganze Aufmerksamkeit erforderten. Es war eine gute Zeit. Aber jetzt bin ich neugierig, ob die alten Werkzeuge noch arbeiten und rostfrei geblieben sind.
Also werde ich eine Kurzgeschichte zu einem Projekt schreiben, zu dem ich eingeladen wurde.
Mal sehen ob ich es noch kann 😉

Hier der Einstieg in die Kurzgeschichte, an der ich zur Zeit arbeite.

»Der lange Weg«

Joseph Müller hockte mit um die Knöchel gewickelter Hose am Straßenrand und harrte der Dinge, die da hoffentlich bald kamen. Seine grau-weißen Haare hingen ihm wirr ins faltige Gesicht. Ein paar träge Insekten schwirrten um seine dürre Gestalt herum – ein paar ganz Mutige wagten sich sogar in die Nähe seiner faltigen Altmännerritze – doch er fixierte unbeeindruckt und in höchster Konzentration einen kleinen Stein, der etwa einen Meter vor ihm auf dem Boden lag. Die Sonne brannte auf das ausgedörrte Land, dass unter dem achten Jahr der großen Dürre in brütendem Schweigen lag. Die Wirtschaft war inzwischen wegen der weltweiten Wasserknappheit zusammengebrochen, die Menschheit kochte in ihrem eigenen Saft und überall tobten Kriege um das letzte Trinkwasser. Aber das einzige, dass Joseph wirklich und schmerzhaft vermisste, war ein ordentlicher, morgendlicher Stuhlgang.
Nun gut, feuchtes Klopapier vielleicht auch noch.
Ein Mann musste eben Prioritäten setzen.
Als ein müder Furz aus seinem Hintern kroch, nicht lauter als ein feuchter Ladykracher, seufzte er und entspannte sich. Noch nicht einmal ein kleines Käckerchen war ihm geblieben. Nur ein müder Hauch von einem lauen Lüftchen, das nicht das geringste Aroma mit sich brachte. Die Welt ging wahrhaft vor die Hunde, wenn ihm sogar seine Morgentoilette verwehrt blieb.
Er stand auf, zog die Hose hoch und seine Hosenträger über die Schultern. Ächzend ging er zu seinem Wagen, wo sein Hund auf ihn wartete.

***

Der Hund – den er mangels eines anderen Namens, auf den das Tier hören wollte, einfach nur Hund nannte – war Joseph zugelaufen, als die Lage in den Städten immer unhaltbarer wurde. Er hatte ihn bei sich aufgenommen, da er den Kleinen nicht sich selbst überlassen wollte. Kurz darauf kam der Tag, an dem sich für Joseph endgültig alles verändert und er beschlossen hatte, sich seinen letzten großen Traum zu erfüllen.
In seinem Alter gab man sich keinen großen Hoffnungen mehr hin, die Träume wurden weniger und verblassten im Nebel der Erinnerungen, während die Liste der unerledigten Dinge merklich schrumpfte und die Uhr unerbittlich in Richtung Schlag zwölf tickte. Er hatte ein Haus gebaut, seine Frau – und eine ganze Reihe anderer – geliebt, er hatte zwei Kinder – von denen er mit Sicherheit wusste – in die Welt gesetzt und einen Baum gepflanzt. Er hatte getanzt und gearbeitet, Geld verdient und brav gespart, war seiner verstorbenen Frau ein hoffentlich guter Ehemann gewesen und hatte ganz allgemein alles getan, um ein produktives Mitglied der Gesellschaft zu sein, die sich gerade in den letzten Zügen der Zivilisation gegenseitig an die Kehle ging. Sollte die Menschheit doch vor die Hunde gehen, ihm egal. Sein Haus stand vermutlich noch. Aber ob es den alten Kirschbaum noch gab, den er im Garten gepflanzt hatte, wagte er zu bezweifeln. Und seine Kinder … mochte der große alte Mann da oben wissen wo die waren.
Es gab also nichts mehr zu erledigen, für niemanden mehr Verantwortung zu tragen oder irgendwelche Hoffnungen zu hegen. Aber diesen einen großen Traum, den er schon gehegt hatte, als er noch ein Kind war, den wollte er sich noch erfüllen, koste es was es wolle! So lange würde er noch durchhalten und danach konnte ihn die ganze Welt mal kreuzweise.
Also hatte er das Notwendigste in seinen Kombi eingepackt und war losgefahren. Durch kleine Städte und Dörfer voller dahinsiechender Menschen, die wie menschliches Dörrobst ihr Dasein fristeten, und in weiten Bögen um größere Städte herum, in denen marodierende Horden die letzten Reste der Regierungsgewalt in Atem hielten. Immer nur dem staubig-grauen Band der Straße hinterher, die ihn bis zum Horizont und darüber hinaus führte, dem Ruf seines letzten großen Traums folgend.

***

Drei Stunden später kam der Schmerz.
Er fraß sich mit der plötzlichen Heftigkeit eines Blitzes durch seine Eingeweide. Joseph umklammerte stöhnend das Lenkrad, während er seinen Wagen langsam abbremste. Als der Wagen stand ließ er seinen Kopf gegen das Lenkrad sinken. Hund schnüffelte an seinem Ohr und leckte ihn zaghaft an der Wange. Ein kleiner Trost in einer trostlosen Welt.
Nach einigen Minuten ließ der Schmerz soweit nach, dass Joseph sich wieder aufsetzen konnte. Er schaltete den Motor ab und atmete in tiefen Zügen ein und aus. Hund beobachtete ihn, während er sich ächzend aus dem Wagen quälte und zum Kofferraum des Kombis ging. Er öffnete ihn und zog eine verschlissene Arzttasche hervor. Nach kurzem Suchen fand er das Röhrchen mit den Tabletten, die ihm den Schmerz nehmen würden. Zumindest für eine Weile.
Als er seinen Becher mit einem kleinen Schluck Wasser aus seinen Vorräten füllte, dachte er auch an Hund und füllte eine kleine Schüssel mit dem kostbaren Nass. Joseph warf sich die Tablette in den Mund und spülte sie runter. Dann sah er zu Hund, der genüsslich das Wasser schlabberte.
»Trink langsam. Du bekommst sonst Bauchweh.« Seine Stimme kam ihm selber ganz fremdartig vor, als er trocken auflachte. »Und außerdem furzt du dann wieder und machst mich neidisch, dass du noch so solche strammen Töne rausbekommst.«
Hund sah auf. Wasser tropfte von seinen Lefzen. Und als hätte er Joseph verstanden, trank er danach etwas langsamer. Zumindest hatte Joseph das Gefühl, dass es so sei. Es dauerte ein paar Minuten bis die Medizin wirkte und der Schmerz nachließ. Ja, die Medizin nahm ihm den Schmerz. Aber sie verhinderte zusammen mit der kargen Ernährung die ihm nur noch zur Verfügung stand, einen ordentlichen Stuhlgang. Die Medizin und der …
Etwas knackte in den Büschen, deren ausgedörrte Äste einen dichten Filz am Straßenrand bildeten, und Hund fuhr knurrend herum. Joseph blinzelte gegen das grelle Licht der Sonne, versuchte etwas zu erkennen und tastete mit einer Hand nach seiner zweiten Waffe, die er im Kofferraum versteckt hatte. Dann sah er den Schatten. Einen kleinen Schatten. Es war ein Junge, vielleicht sechzehn oder siebzehn Jahre alt. Zu jung für eine ordentliche Rasur, zu alt, um noch als Kind durchzugehen. Als seine dürre Gestalt endlich durch die Büsche gebrochen war, sah der Junge erschrocken auf. Ehe Joseph etwas sagen konnte brach der Junge in die Knie. Für einen Moment sahen sich der alte Mann und der Junge in die Augen. Dann schüttelte ein Krampf den Jungen durch. Er verdrehte die Augen und fiel wie ein nasser Sack zu Boden.

Nicht viel, bisher, aber ein Anfang, oder nicht?

Mal schauen, wohin mich das führen wird.

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2014 im Rückblick

Die WordPress.com-Statistik-Elfen haben einen Jahresbericht 2014 für dieses Blog erstellt.

Hier ist ein Auszug:

Eine Cable Car in San Francisco fasst 60 Personen. Dieses Blog wurde in 2014 etwa 3.000 mal besucht. Eine Cable Car würde etwa 50 Fahrten benötigen um alle Besucher dieses Blogs zu transportieren.

Klicke hier um den vollständigen Bericht zu sehen.

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10 Jahre p.machinery / AndroSF 50

Vor zehn Jahren gründete Michael Haitel seinen kleinen, aber sehr feinen Verlag.
Vieles ist seitdem aus seinem Haus gekommen und alles hat irgendwo seine Spuren in der Landschaft der Science Fiction hinterlassen, denn Michael Haitel ist wählerisch in der Auswahl der Werke, die sein Haus verlassen.
Nun feiern wir das 10jährige Jubiläum seines Verlages.
Einer Propagandamaschinerie.
Eben p.machinery.
Mit Geschichten ausgewählter Autoren wie Vincent Voss, Arno Endler, Gabriele Behrend, Marianne Labisch, Frederic Brake und vielen mehr, die sich von der Musik der Band »Extreme II« und ihrem Album »Pornograffitti« inspirieren ließen.
Ich bin einer davon.
Und mächtig stolz darauf 🙂

Aber das ist noch nicht alles, denn in einer kurzen Subskriptionsphase (bis 14.12.2014, 24 Uhr) gibt es die Bücher zu einem Sonderpreis.
Das Paperback für 12,90€ statt für 13,90€ und das Hardcover für 20,90€ statt für 22,90€
Bestellbar direkt beim Verlag
http://www.pmachinery.de/?p=3078

So – get the Funk out!

Titelbilder:

Michael Haitel (Hrsg.) / p.graffiti
„10 Jahre p.machinery zur Ausgabe von AndroSF 50“

p.machinery, Murnau, Dezember 2014, 332 Seiten
Paperback: ISBN 978 3 95765 022 1 – EUR 13,90 (DE)
Hardcover: ISBN 978 3 95765 023 8 – EUR 22,90 (DE) (limitierte Auflage)

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Sign of life

Nachdem mein letzter Eintrag ja auch schon etwas länger her ist, wollte ich mal wieder ein Lebenszeichen von mir geben.
Aktuell habe ich noch eine Idee auf der Herdplatte, die wohl doch etwas länger brauchen wird, bis sie gar ist. Es ist (mal wieder) ein verflucht umfangreiches Ding, dass ich mir da an den Hals gehangen habe. Aber es macht einen Heidenspaß, diese Idee auszuarbeiten und dafür zu recherchieren.
Wie singt doch Lemmy von Motörhead?
The Chase ist better than the catch 😀
Parallel dazu habe ich die Anfrage für eine Kurzgeschichte eingeschoben, an der ich derzeit feile und bei der die Deadline bereits mit Riesenschritten auf mich zukommt.

Was gibt es sonst Neues?
Eigentlich nicht viel.
Ich lebe und sammele Ideen und Eindrücke (man denke an das ständig griffbereite Notizbuch samt Stift 😉 )
Gerade jetzt, wo die Tage wieder kürzer werden, ist dafür die beste Zeit.
In den Lesesessel kuscheln, ein gutes (Sach)Buch in der Hand … sollten Sie auch mal wieder versuchen.
Wenn ich da an mein derzeitiges Projekt denke … Fernsehen und Internet werden eh überbewertet 😉

D.J.Franzen

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Über das Schreiben 8. Teil (Allgemeines)

Es hat eine Weile gedauert, bis ich den letzten Artikel der kleinen Serie über das Schreiben fertiggestellt habe.
Das liegt daran, dass ich den Finger auf ziemlich wunde Punkte lege, die nicht gerne gehört werden. Aber sie gehören eben zum Literaturbetrieb dazu und ich finde, sie sollten auch einem »Schreibratgeber« nicht fehlen.
Es hat deswegen so lange gedauert diesen Artikel zu schreiben, weil ich dafür die passenden Worte gesucht habe (wir erinnern uns: Schreiben ist harte und zeitintensive Arbeit)
Hier ist er also, nach etwas längerer Pause, der letzte Artikel zu …

»D.J.Franzen und wie er das Schreiben sah«

Allgemeines 1.0 »Das liebe Geld«

Über Geld spricht man nicht. Entweder man hat es, oder eben nicht. Das gilt auch für Autoren, wobei hier jedoch das Bild in der Öffentlichkeit nicht nur schräg ist, sondern auch ziemlich konträre Facetten aufweist.

Irrglaube Nummer 1
Mit Schreiben kann man sein Geld verdienen und davon leben.
Tatsache:
Kann man, wenn man viel und schnell schreibt und veröffentlicht und die Leute einem die Texte aus der Hand reißen. Meistens ist es jedoch so, dass das Schreiben eher einem 450€-Job mit weit geöffnetem Zeitkonto gleicht. Man arbeitet wie in einem Fulltime Job und bekommt alle drei Monate weniger heraus, als in einem 450€-Job.
Irrglaube Nummer 2
Autoren wollen nur gelesen werden.
Tatsache:
Ja, Autoren wollen gelesen werden. Aber vorzugsweise nachdem sie für ihre Arbeit – wie gering auch immer – entlohnt wurden. Schreiben ist harte Arbeit, wie ich zuvor in dieser Artikelreihe immer wieder erwähnte. Oder wollen Sie, weil Sie vielleicht ihr Hobby zum Beruf machten und Modelleisenbahnen verkaufen, für Nüsse arbeiten?
Irrglaube Nummer 3
Verlage sind alles Halsabschneider und nur Self-Puplishing ist das einzig Wahre
Tatsache:
Verlage verlegen nicht nur, sie legen auch vor. Leistungen wie Lektorat, Korrektorat, Cover, Vertrieb, Druck …
Alles Dinge, die ein SP selber erbringen muss.
Es ist also kein unumstößlicher Fakt, dass Verlage alle einer Content-Mafia angehören, welche die erhältlichen Bücher künstlich verknappt und die Autoren finanziell klein hält. Verlage sind Wirtschaftsunternehmen mit Gewinnerzielungsabsicht.
Ob man nun mit einem Verlag zusammenarbeiten mag, um bestimmte Aufgabe und Kosten, die mit dem Veröffentlichen eines Buches auf einen zukommen, abgeben will oder nicht, ist eine persönliche Entscheidung. Die Kosten, die für all die anfallenden Nebenarbeiten nach dem Schreiben anfallen, bleiben gleich. Aber weder die Veröffentlichung über einen Verlag, noch das Veröffentlichen als SP ist ein alleinseligmachender Kardinalsweg.
Schreiben ist harte, zeitintensive Arbeit.
Ein Buch veröffentlichen ist harte, zeit- und kostenintensive Arbeit.

Eng mit dem Thema »Geld« verbunden ist auch das Thema …

Allgemeines 2.0 »Idealismus«

Schreiben ist in vielerlei Hinsicht Idealismus. Und wie es in unserer schönen neuen Welt eben so ist, wird der auch schnell mal ausgenutzt.
»Warum soll ich für etwas zahlen, wenn ich es auch umsonst bekomme?«
Ich stehe diesem Thema etwas zwiegespalten gegenüber, denn ich bin Idealist. In meinen Träumen gebe ich beim Schreiben mein Bestes, verhalte mich aus Respekt gegenüber allen Beteiligten – und vor allem gegenüber den Lesern meiner Texte – wie ein Profi und bekomme dafür den gleichen Respekt und das gleiche professionelle Verhalten zurück.
Leider sieht die Realität oft etwas anders aus.
Oft wird man als Autor gebeten, hier was zu schreiben, dort was beizutragen und so weiter und so fort.
Für Nichts.
Für Lau.
Ist ja schließlich tolle Werbung für den Autor.
Ja, ist es in der Tat! Eine gute Kurzgeschichte in einer guten Anthologie befriedigt nicht nur den Verfasser, es ist auch gute Werbung für ihn.
Und hier kommt der Konflikt zwischen dem Idealisten und dem Kapitalisten.
Eine gute Kurzgeschichte kann gut und gerne mal 120 – 150 Stunden Arbeit bedeuten. Zeit, die der Autor nach dem Feierabend von seinem Brötchenjob investiert.
Zeit, in der er Familie, Verwandte und Freunde abwimmelt, um sein Bestes zu geben.
Zeit, die er im Grunde für Null Gegenleistung investiert.
Hier sollte also jeder für sich selber entscheiden, ob er bereit dafür ist, seine Umwelt regelmäßig vor den Kopf zu stoßen um »Werbung« für sich zu machen, aber am Ende nicht mehr als ein oder zwei Belegexemplare des fertigen Werks in seinem Regal stehen zu haben.
Und machen wir uns nichts vor:
Anthologien verkaufen sich derartig schlecht, da brauchen wir auch keine Exemplare mit Autorenrabatt zu ordern und auf eigene Faust versuchen zu verkaufen. Aufwand und Ertrag stehen da in keinem Verhältnis zueinander.
Ich kann und will da niemandem raten. Wenn es einem Autor bereits genügt, seine eigenen Werke im Regal stehen zu haben … bitte! Nur zu! Es hält ihn keiner auf.
Aber wer seine Freizeit dafür opfert, andere Menschen nach bestem Wissen und Können zu unterhalten, der macht meiner Meinung nach einen Job. Eine Arbeit. Und die sollte irgendwie auch entlohnt werden.
Ab und zu eine gute Kurzgeschichte in einer Anthologie mit guten Kollegen unterzubringen ist wirklich etwas Tolles! Das will ich auf keinen Fall in Abrede stellen.
Aber irgendwann möchte man doch, wenn man sich schon wie ein Profi verhält, auch wie ein Profi entlohnt werden.
Oder haben Sie jemals von einem Fußballnationalspieler gehört, der auf eigene Kosten nach Rio fliegt um dort ein Spiel für die deutsche Nationalelf zu bestreiten?

Und damit kommt der nächste Punkt des Themas Idealismus.

Allgemeines 2.1 »Idealismus, Lesungen und Cons«

Machen Sie sich darauf gefasst, dass Sie schnell als arroganter Schnösel angesehen werden, wenn Sie zwar schreiben und veröffentlichen, aber keinen (oder nur wenig) Urlaub und kein (oder nur begrenzt) Geld in Lesereisen quer durch die Lande oder etliche Conbesuche stecken.
Das sind nämlich Dinge, die Zeit und Geld kosten.
Anfahrt, gegebenenfalls Übernachtung vor Ort, Eintritt (ja, auch als Autor der auf einer Convention liest, also das Programm mitgestaltet, müssen Sie Eintritt zahlen), Verpflegung … das sind Investitionen.
Es ist »Werbung«.
Aber Hand auf`s Herz:
Spielen Sie mit Ihren Büchern auch so viel wieder ein, dass sie am Ende mit  +/- 0€ wieder rauskommen?
Wenn Sie das Schreiben natürlich als reines Hobby ansehen, ist dieser Punkt hier obsolet.
Jemand der dem Hobby Modelleisenbahn frönt und unzählige Stunden in den Aufbau und die Pflege seiner Anlage steckt, wird auch nicht unbedingt aufs Geld achten.
Aber da wir uns ja darauf geeinigt haben, dass gutes Schreiben damit beginnt, sich wie ein Profi zu verhalten und zu arbeiten … wie war das doch gleich mit dem Nationalspieler und der Reise nach Rio?
Verstehen Sie mich nicht falsch, es gibt nichts schöneres, als ganz persönlich auf die Leser seiner Texte zu treffen! Das ist etwas, das man erlebt haben muss und ich möchte um kein Geld der Welt diese Momente missen 🙂
Und genau hier setzt die Gratwanderung zwischen Idealsismus und Realismus ein:
Lesereisen und Conbesuche kosten den Autor (Urlaubs)Zeit und Geld.
Wer nur das Bad im Kreise seiner Bewunderer sucht, wird jetzt den Kopf schütteln.
Wer aber Freunde, Familie und Verwandte regelmäßig abwimmelt, damit er schreiben kann, und wer am Ende vom Geld noch jede Menge Monat übrig hat und auf die kleinen Beträge, die vielleicht mit dem Schreiben reinkommen und die Haushaltskasse aufbessern, angewiesen ist, der wird das Dilemma verstehen.
Rechnen Sie also damit, dass sie entweder mehr Zeit und Geld ins Schreiben und Veröffentlichen pumpen, als sie bisher für möglich gehalten haben, oder damit, dass Sie versuchen eine Balance zwischen Aufwand und Ertrag zu halten und schnell als arroganter Schnösel angesehen werden.
Sollten Ihre Verkaufszahlen allerdings durch die Decke gehen und sie auf Augenhöhe mit solchen Größen wie King, Follet & Co, stehen, stellt sich sie diese Frage eh nicht mehr.
Die werden nämlich für Lesereisen etc. bezahlt 😉

Allgemeines 3.0 »Lektorat und Korrektorat«

Hier gibt es offenbar ein ganz großes Missverständnis.
Ein Lektor ist jemand, der die innere Struktur einer Geschichte abklopft, auf Fehler aufmerksam macht und auf die Erzählstimme und ähnliches achtet.
Ein Korrektor ist jemand, der den Text auf Rechtschreib- und Grammatikfehler abklopft.
Beides sind harte Jobs, die aber nicht verwechselt werden dürfen.

Ein guter Lektor ist am ehesten jemand, der selber KEIN AUTOR IST.
Sorry, liebe Kollegen und Kolleginnen, aber ich habe schon zu oft miterleben müssen, wie ein Autor der als Lektor auftritt seinen eigenen Stil, seine eigene Erzählstimme einem fremden Text aufdrücken wollte, was letztendlich zu Frust auf beiden Seiten führte.
Ein guter Korrektor ist jemand, der nachweislich mehr kann, als einfach nur einen Text durch den Duden-Korrektor 9.0 laufen zu lassen.
Das kann ein Autor auch selber (siehe hierzu 3.3 Das Schreibutensil)

Allgemeines 4.0 »Autorenforen«

Das sind virtuelle Orte, an denen sich Autoren treffen um sich fachlich auszutauschen.
Idealerweise.
Manchmal sind Autorenforen aber Haifischbecken. Nur die Stärksten überleben und wer die dickste Lobby im Rücken hat, hat immer recht.
Autorenforen können natürlich auch ganz wunderbare Orte sein, in denen man Hilfe und Unterstützung erhält und zurückgibt. Aber sie können auch ganz schnell – so wie auch Facebook, Twitter, Google+ etc.pp. – arge Zeitfresser werden, denn in der Zeit, in der man über das Schreiben redet, schreibt man nicht 😉
Wenn es machbar ist sollte man vor der Anmeldung in den offenen Bereichen herumstöbern und versuchen zu erkennen, ob man in so ein Forum passt oder nicht, wie der Umgangston untereinander ist, wie dort geholfen wird und wie die gemeinsame Textarbeit abläuft.
Finger weg von Foren, wo diese Arbeiten für jedermann einsehbar sind!

Das Beste habe ich mir dann für den Schluss dieses kleinen »Schreibratgebers« aufgehoben.

Allgemeines 5.0 »Schreibratgeber«

Sind eine tolle Sache. Sie können einem oft Dinge zeigen, auf die man alleine nicht gekommen wäre.
Aber sie neigen auch zum Absolutismus.
Ihr Wort ist in Stein gemeißelt und der Verfasser ist ein langbärtiger Typ der vom Berg Sinai gestiegen ist, um die andächtig lauschende Gemeinde der Schreiber mit seiner Weisheit zu beglücken und alle die an seinen Worten zweifeln mit seinen Blicken zu versteinern.
Ich bin da kein bisschen anders.
Okay, ich habe keinen langen Bart und mit Bergsteigen habe ich es auch nicht so.
Aber der Sinn dahinter sollte klar sein:
Schreibratgeber sind nur Denkanstöße, keine ehernen Gesetze.
Ich habe in dieser kleinen Artikelserie nur das niedergeschrieben, was ich persönlich für Wichtig erachte.
Und ja, ich habe dabei ordentlich auf den Putz gehauen.
Und?
So bin ich eben.
Es macht mir selber mehr Spaß (und Ihnen hoffentlich auch!) als einfach nur das Herunterbeten trockener Fakten oder dem, was ich dafür halte. Letztendlich ist Schreiben etwas ganz individuelles, ja geradezu intimes.
Lassen Sie sich etwa vorschreiben, wie sie daheim den ehelichen Akt zu vollziehen haben?
Nicht?
Na dann … gutes und unterhaltsames Schreiben ist wie eine gelungene Verführung.
Da hat jeder seine eigene Herangehensweise.
Tipps dafür sind okay, Gesetze und Regeln nicht.
Und so ist auch diese Artikelserie zu lesen:
Als eine Ansammlung von Tipps.
Nicht als Gesetzbuch.

Und jetzt, liebe Gemeinde, gehet hin und verführet euch gegenseitig 😉
Wie man das angehen kann, wisst ihr jetzt ja.

D.J.Franzen

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Über das Schreiben 7.Teil (Handwerk)

14. Die Länge …

… eines Textes ist vollkommen egal.
Oder wie die Hafendirne zum Seemann sagte:
»Schätzchen, mir ist es egal, was du in der Hose hast. Hauptsache du kannst damit auch was anfangen.«
Und das ist einer der größten Fehler der Anfängern, aber oftmals auch gestandenen Autoren unterläuft.
Einen Text zu kurz oder zu lang verfassen.
Zählt das noch zum Handwerk?
Ich finde schon, denn ein unterhaltender Text sollte immer so lang werden, wie es die Idee hergibt und / oder der Autor etwas zu diesem Thema bzw. dieser Idee zu sagen hat (oder zumindest glaubt, dass er was dazu zu sagen hat. Bestes Beispiel: Dieser selbsternannte »Schreibratgeber«)

Wie findet man denn die richtige Länge eines Textes heraus?
Einerseits sage ich, dass man das nicht herausfinden kann, sondern dass einem der Text und die Idee das schon selber verraten. Andererseits bin ich aber auch der Meinung, dass hierbei das schon erwähnte Notizbuch (haben Sie schon eines auf der Toilette griffbereit?) und vor allem die eigene Schreib- und Leseerfahrung ungemein helfen.
Und siehe da, wieder einmal kommt das lange vergessen geglaubte Mantra: »Schreiben ist zeit- und arbeitsintensiv!« zum Tragen. Und ja, ich habe hier noch Anmeldebögen für den Batik-Kurs der VHS für all diejenigen liegen, die einfach keine Zeit zum Lesen finden, aber auf Teufel komm raus schreiben wollen.
Mein Rat an alle Lesefaulen daher: Vergesst es! Hier ist mal ein Link, was es mit der so oft erwähnten Batik auf sich hat.
http://de.wikipedia.org/wiki/Batik
Alternativ kann ich auch noch Wasserballett für Nichtschwimmer anbieten.
Wer nicht bereit ist viel zu lesen, wird nie erkennen wie lange eine Idee einen Text tragen kann.

Als ich meine ersten Gehversuche beim Schreiben machte, trieb ich meinen Deutschlehrern den Angstschweiß auf die Stirn, sobald mal wieder ein Aufsatz angesagt war.
Ich und mich kurz fassen?
Vergisses!
Dann bekam ich im zarten Alter von 12 den Herrn der Ringe von meiner Oma und meiner Tante zu Weihnachten geschenkt.
Ich habe das Buch geliebt (tue ich heute noch) und bis etwa Neujahr vollkommen verschlungen.
Dann habe ich geweint (Tue ich heute nicht mehr, ich alter Macho)
Ich musste von Frodo und Bilbo, von Sam und Gandalf an den Grauen Anfurten Abschied nehmen.
Drei dicke Bücher voller Abenteuer und Freundschaft, voller Epik und edlen Schlachten Gut gegen Böse … verdammt, das konnte doch nicht einfach so enden!
Also griff ich mir einen Collegeblock meiner Mutter (A4, kariert und für ihre Strickmuster vorgesehen) und schrieb die erste, einzige – und glücklicherweise inzwischen verschollene – inoffizielle Fortsetzung zum Herrn der Ringe.
Der Herr der Ringe Teil IV.
Frodos Rückkehr.
80 Seiten in enger, kindlicher Handschrift.
(Exkurs: Und jetzt zählen Sie bitte mal die Adjektive, in diesen paar Sätzen und überlegen Sie bitte, wie die hier wirken und warum ich die so geballt da hingeschrieben habe.
Kinder neigen zu Übertreibungen. Für sie muss alles »Superduber« und »Peng« sein. Ich war damals ein Kind. Deshalb wollte ich dieses Gefühl vermitteln und nutzte einen ganzen Sack voller Adjektive
😉 )
Über die eher marginale Begeisterung meiner Mutter ob meiner Schreibkünste, und über meine ersten Tantiemen, die mir meine Oma dafür auszahlte, möchte ich jetzt nicht reden.
Nein, es geht mir um eine Erkenntnis die ich damals gewann.
Schreiben ist Arbeit.
Harte Arbeit.
Und je länger und aufgeblähter ein Text wird, um so mehr Zeit und Arbeit muss man da reinstecken und um so näher kommt man an eine ausgewachsene Sehnenscheidenentzündung.
Aber wird der Text dadurch, dass man ihn bis kurz vor der Explosion aufbläht, besser?
Nö.
Versuchen Sie mal einen Blondinenwitz vom einem knappen Zweizeiler zu einem epischen Gedicht in shakespear`scher Dichtkunst zu machen.
Viel Erfolg und halten Sie bitte ihr Handy bereit, damit sie den Notruf wählen können, sobald die ersten ihrer Zuhörer ins Koma gefallen sind.
Als Gegenversuch kürzen Sie mal »Hamlet« von Shakespeare zum Zweizeiler ein und versuchen Sie den dann an den Mann zu bringen.
Beides geht nicht.
Der Blondinenwitz lebt von seiner Kürze und Hamlet lebt von seiner Epik, der Tiefe der Figuren und der Dialoge.
Man kann alles kürzen (selbst dieser »Schreibratgeber« ließe sich problemlos auf zwei DIN A4 Seiten eindampfen) oder unnötig aufblähen (Ja, diese Blog-Serie ist aufgebläht. Mea culpa dafür, aber irgendwie muss ich meinen Blog ja mit Leben füllen)
Entweder geben die Idee oder die Figuren einen langen Text her, oder man belässt es lieber bei einem Kurzen, der dafür auch ordentlich zündet.

»Was tun?«, sprach Zeus und kratzte sich ratlos unter der Tunika.
»Erst denken, dann schreiben«, antwortete der Franzen und grinste dem Gott der Blitze frech ins Antlitz.
Bevor ich mich an eine Story setze, betrachte ich die Idee dahinter sehr genau, lasse sie durch meinen Kopf rocken und rollen, lasse sie aufgehen, wie einen guten Hefeteig.
Gibt es eine konkrete Aufgabestellung, wie zum Beispiel einen Text für eine Anthologie mit einer festen Zeichenanzahl pro Beitrag, ist die Sache relativ einfach.
Ich durchforste meine Notizbücher nach knackigen Ideen für die gewünschte Länge.
Ich kann den notwendigen Platz für eine Idee rechtzeitig erkennen.
Denn ich lese viel.
Sie auch?
Geht es um ein freies Projekt, nehme ich die Idee und die Figuren, die mir vielleicht schon durch den Kopf spuken, und frage mich, was da alles passieren könnte, was mir die Figuren selber zu den geplanten Ereignissen alles sagen könnten. Diese Erkenntnisse und meine Erfahrung als Leser liefern mir Schätzwerte über die machbare Länge des Textes. Dazu kommt meine Tagesform oder auch Temperament.
Will ich die Leser mit einem kurzen Witz lachen (oder gruseln) machen?
Oder will ich sie auf eine Reise zum Schicksalsberg mitnehmen?
Sobald ich dieses Ziel erkannt habe, mache ich mir Notizen. Einen ganzen Haufen Notizen!
Haarfarben, Kleidung, Ereignisse, Stationen, Fotos, Eigenarten der Figuren, Sprechweisen, Dialoge …
Schreiben ist zeit- und arbeitsintensiv.
Und egal ob der Text später ein kurzer Zweizeiler werden soll oder eine epische Familiensaga in achtzehn Bänden zu 1800 Seiten, müssen für jede einzelne Minute Lesevergnügen geschätzte zehn Stunden Arbeit investiert werden.
Ist man dazu bereit, diese Zeit in den Text zu investieren, ist das Erkennen der richtigen Länge eines Textes etwas so selbstverständliches, wie das Atmen oder das Abschätzen der Entfernung zur nächasten roren Ampel, wenn man mit dem Auto darauf zu fährt.
Für alle anderen, die keine Zeit und Arbeit investieren wollen, um diese Erfahrungen zu sammeln:
Der Kurs »Wasserballett für Nichtschwimmer« fällt heute ins Wasser. Alternativ können sie aber gerne den Kurs »Batik für Fortgeschrittene« besuchen.
Bitte melden Sie sich im Sekretariat.
Badekappen sind nicht erwünscht.

Lektion 14
Die Länge eines Textes sollte man nie künstlich bestimmen oder festlegen. Die Idee dahinter sollte diese Vorgabe machen.
Und dabei helfen einzig Leseerfahrung und harte Arbeit am eigenen Text.

Damit habe ich zum Handwerk des Schreibens alles gesagt, was ich darüber zu wissen glaube. Es gibt noch ein paar Dinge, die ich gerne loswerden möchte. Das sind eher so allgemeine Sachen und vor allem viele Klischees und Vorurteile, die im Bezug auf das Schreiben und die Menschen dahinter vorherrschen. Manches davon könnte man vielleicht noch zum Handwerk zählen. Aber je mehr ich darüber nachdenke finde ich, das es doch eher allgemeine Punkte sind, oder Erfahrungen, die mit dem eigentlichen Handwerk des Schreiben eher nebenbei zu tun haben, denn Schreibhandwerk ist meines Erachtens nach in erster Linie Buchstaben zu Worten zusammenzusetzen.
Und Worte zu Sätzen.
Und Sätze zu Absätzen.
Und Absätze zu einer Geschichte.
Und alles das beginnt mit dem Lesen der Geschichte eines anderen Menschen.
Und dem dringenden Gefühl, die liebgewonnenen Freunde einer solchen Geschichte wiederzusehen.
Freunden, von denen man tränenreich Abschied nehmen musste, als ein wundervolles Buch endete.

D.J.Franzen

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