Ein kleines Bonbon zum Wochenende als Nachtrag.

Es ist nur ein sehr kleines Häppchen von dem, was ich letzte Woche so getrieb … äh … geschrieben habe 😉
Ich hoffe aber, es macht dennoch Spaß 🙂
Und jetzt aber wirklich:
Allen Besuchern meines Blogs ein schönes Wochenende

D.J.Franzen

Das Zimmer strahlte eine paradoxe Mischung aus moderner Kälte und altertümlicher Wärme aus. Zwischen den kunstvoll verzierten Möbeln aus dunklem Holz wirkten die Zutaten eines Hightechlabors wie parasitäre Besucher aus einer fernen Zukunft. Fremdkörper, die summend und klickend und blinkend Tentakel aus Kabeln und Leitungen bis in die hintersten Winkel dieser kleinen Welt auszubreiteten, um sie letztendlich für sich in Besitz nehmen zu können. Der Raum diente eindeutig der Gewinnung von Wissen durch Information. Doch wo die Erbauer des Zimmers noch auf Schriftrollen und Bücher vertraut hatten, die wie vor Schreck verstummte Zeugen einer fernen Vergangenheit in Vitrinen und Schränken entlang der Wände auf das Geschehen herabblickten, verließen sich die jetzigen Nutzer des Zimmers auf Glasfaserkabel, Kameras, Mikrofone, Software und Sensoren.
Mitten in diesem Arrangement aus Vergangenheit und Zukunft saßen oder standen mehrere Männer in den schwarzen Soutanen katholischer Priester. Sie blickten hoch konzentriert auf Monitore, lasen Daten ab, gaben sie an andere Rechnersysteme weiter, wunderten sich über das, was ihnen die höchste technische Entwicklung der Menschheit anzeigte, und was am Ende doch aus den Untiefen der Zeiten zu kommen schien, als die Erde noch eine Scheibe und die Sonne noch ein Gott des Lebens war. Zeiten, in denen ein Zimmer wie dieses als ein Hort der schwärzesten Magie bezeichnet worden wäre, und man die Priester umgehend auf dem Scheiterhaufen verbrannt hätte, bevor man diesen Raum mit den stärksten Möglichkeiten der weißen Magie versiegeln und jedem Sterblichen das Betreten dieses Ortes unter der Androhung der schrecklichsten Strafen untersagen würde.
Doch diese Zeiten waren vorbei. Schließlich war das 21. Jahrhundert angebrochen. Menschen konnten über unglaubliche Entfernungen hinweg miteinander in Echtzeit kommunizieren, Wissen flirrte in stygischen Datenströmen über den gesamten Erdball und die Zeit des Glaubens und der Wunder war vorüber. Engel waren von flüchtigen Stars und Sternchen abgelöst worden, Predigten fanden nicht mehr in Kirchen, sondern im Fernsehen oder dem Internet statt, wo die Priester des neuen Glaubens Maßanzüge statt heiliger Gewänder trugen und Wunder den immer schnelleren, bunteren und noch mehr Funktionen in sich vereinenden elektronischen Spielzeugen Platz gemacht hatten.
Die Männer in diesem Zimmer waren katholische Priester. Sie versuchten die alten Werte, die in röchelnden Atemzügen im Sterben lagen, mit dem hektischen Puls der neuen Zeit zu vereinen.
Das taten sie nicht ohne guten Grund, denn das Zimmer war der Überwachungsraum für einen Exorzismus.
Man wollte mich austreiben.

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