Der Interneterklärer und der Buchdesigner

Ein satirisch-ironischer Wochenrückblick

Diese Woche habe ich ja relativ schonend im Bett verbringen müssen. Also 10 Meter Kabel vom Wohn- ins Schlafzimmer gelegt, die Decken bis ans Kinn, den alten Laptop auf die Knie und ein wenig im Netz gesurft, denn Recherche ist immer und überall möglich, selbst wenn man krank ist.
Und prompt stolperte ich über eine Meldung, die mich aufs Äußerste alarmierte:

DAS INTERNET IST KAPUTT!

Shockshit! Wo zur Hölle war ich denn dann gelandet, wenn nicht im Internet?
Dann die Erleichterung.
Kein Geringerer als Sascha Lobo, Internetexperte mit viel beachteter Bürgerschreckfrisur und Dampfplauderer in Sachen »digitale Naivität«, stellt mit der Schnute eines beleidigten, kleinen Kindes fest, dass das Internet kaputt ist.
Okay, wenn DER das sagt, dann ist ja alles halb so schlimm 😉

Bei aller Ironie, die jetzt in meine Worte geflossen ist, muss ich dem Mann aber dennoch Respekt zollen. Er hat immerhin selber erkannt, dass er ziemlich naiv an die Sache herangegangen ist.
Etwa ebenso naiv, wie auch die Erfinder der Pflugschar oder des Dreschflegels, die sich ebenfalls nicht nur als landwirtschaftliche Werkzeuge nutzen lassen, sondern in früheren Zeiten zur Standardausrüstung einer jeden Armee aus zwangsrekrutierten Bauern gehörte. War es nicht Werner von Braun, der nach dem Einschlag der ersten V2-Rakete in England sagte, dass seine Rakete perfekt funktioniert habe, sie aber nur auf dem falschen Planeten gelandet war?
Nach einem Moment des eher mitleidigen Lächelns ob dieser weltbewegenden Erkenntnis, dass Erfindungen IMMER sowohl zum Guten als auch zum Bösen eingesetzt werden, fand ich dann die harschen Worte des Buchdesigners Friedrich Forssmann zum Thema e-book, neue Techniken und alte Traditionen.
Kurz gefasst:

DAS E-BOOK IST TEUFELSZEUG!

Donnerwetter!
Noch so eine Erkenntnis, die mich und mein Weltbild bis in die Grundfesten erschütterte.
Als Kleinstautor hat mir das e-book immerhin ermöglicht, meine LeserInnen zu finden.
Bin ich etwa, als ich mit meinem Verleger den entsprechenden Vertrag unterschrieben habe, einen faustischen Weg gegangen und habe meine Seele dem ewigen (und digitalen) Fegefeuer überantwortet? Heißt mein Verleger am Ende gar nicht Giersche sondern Toledo Escobal Umberto Frederico Espanola Ludovico (für Freunde und Bekannte kurz: T.E.U.F.E.L)?
Oder noch schlimmer: Habe ich mich mit diesem Weg zur Veröffentlichung meiner kruden Texte etwa zum Handlanger von datengeilen Konzernen und Geheimdiensten gemacht, die (siehe Sascha Lobo) das Internet kaputt gemacht haben? Bin ich ein Westentaschen-James-Bond mit der Lizenz zum Internetkaputtmachen?

Irritiert, geschockt und aufs Äußerste bekümmert, zog ich mich für eine Weile in meine Kissen und Decken zurück, übte mich in Feng-Shui für kranke Glieder, und konnte schließlich nach kurzer Meditation mein innerstes, digitales Shakra wieder in ein energetisches Gleichgewicht bringen.

Denn das Internet an sich, ist nichts, was man kaputt machen könnte.
Das Internet ist ein neutrales Werkzeug, das, wie es uns die Geschichte lehrt, eben auch für negative Dinge genutzt wird. Eben einfach deshalb, weil es machbar ist. So war der Mensch, so ist der Mensch und so wird er immer sein.
Das Internet ist nicht von sich aus so böse (oder kaputt), sondern die Menschen, die es nutzen und ihre hilflosen Kinder dort ebenso zur Schau stellen, wie die Ergebnisse ihres letzten Stuhlgangs. Wenn ich nackig über die Straße renne, muss ich mich auch nicht wundern, wenn alle anfangen zu glotzen und Fotos zu machen.
Das Internet ist also das, was wir alle daraus machen, so wie ein Dreschflegel eigentlich ein landwirtschaftliches Werkzeug ist, aber auch eine heftige Waffe und die V2 eigentlich den Beginn der Raumfahrt markieren sollte, aber stattdessen als Werkzeug für Tod und Vernichtung genutzt wurde.
Das e-book ist kein Werkzeug des Teufels, sondern eine sinnvolle Ergänzung zum bisherigen Medium Papier, mit dem Literatur an den Mann / die Frau gebracht werden kann. Ohne e-books würden viel weniger Menschen sich überhaupt erst damit befassen, in mehr als 180 Zeichen zu kommunizieren. Klar, da ist auch viel Mist drunter. Aber die Verlage sitzen hier im Glashaus und sollten die Kieselsteine lieber liegen lassen. Und ja, ohne die technischen Möglichkeiten des Internets und des e-books, wäre ich heute kein Autor, da spricht also auch der Eigennutz aus meinen Worten 😉

Und solange ich weder über meinen Stuhlgang twittere oder facebooke, nicht jeden sinnlosen Hype like und mich nicht an Shitstorms beteilige, solange ich im Netz nur das von mir preisgebe, was ich auch am Stammtisch oder im Freundeskreis zum Besten geben würde, können mich die Datenkraken und Geheimdienste gerne durchleuchten.
Das würden sie eh, auch ohne Internet.
Mit ihm ist es einfach nur leichter.

Ich wünsche allen Besuchern meines Blogs ein tolles Wochenende, ein unkaputtes Internet und spannende e-books, die sie auch ohne großartige Seitenverzierungen und Goldschnitt aufs Beste unterhalten.

D.J.Franzen

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Eine Antwort zu Der Interneterklärer und der Buchdesigner

  1. ramonatestet schreibt:

    Das mit dem kaputten Internet stand letztens in der Tasgeszeitung und ich musste so herzhaft lachen…. Sollte mal das Leck suchen, wenns I-Net putt ist….
    Der Spruch mit dem Teufelszeug hätte auch von nen Kumpel von mir sein könnnen… immer diese Weisheiten *grins*
    lg Ramona 🙂

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