Multitasking

oder
Der Tanz auf tausend Hochzeiten gleichzeitig

Ich erledige die Dinge lieber der Reihe nach, statt gleichzeitig.
Und deshalb bin ich voll retro.
Ich weiß das und kann damit gut leben.
Und weil ich damit leben kann, hasse ich das Wort »Multitasking«.
Ich kriege die grüne Farbe im Gesicht und Schwellkörperattacken am Hals, wenn mir jemand sagt, ich solle doch endlich »multitaskingfähiger« werden und MÜSSE mich endlich der neuen Zeit und der neuen Technik anpassen.
Mal ganz ehrlich:
Wenn der liebe Gott gewollt hätte, dass der Mensch achtundvierzig verschiedene Dinge gleichzeitig und mit voller Aufmerksamkeit erledigen soll, hätte er uns wie Tintenfische geformt und nicht nach seinem vermeintlichen Ebenbild als Humanoide. Wir sähen dann aus wie die fleischgewordenen Albträume H.P. Lovecrafts, und vor allem hätte uns der alte Mann da oben dann auch eine bessere Partition und eine effektivere Software für die graue Masse zwischen unseren Ohren mitgegeben.

Und weil ich so retro bin (und somit auch nicht wie »Mutti multitaskingfähig«), habe ich mich darauf verlegt, die Dinge der Reihe nach, und je nach Priorität, mit der ihnen jeweils angemessenen Aufmerksamkeit zu erledigen. Solange keine Knochen gebrochen waren, kein Blut spritzte oder Porzellan laut scheppernd auf dem Boden zerschellte, konnte meine Mama nichts aus der Ruhe bringen und sorgte höchstens für eine hochgezogene Augenbraue, während sie ihr Tagesprogramm abarbeitete.
Und weil man ja auf seine Eltern hören soll und sie Vorbilder sind, telefoniere ich nicht während ich mein Auto steuere, noch programmiere ich während der Fahrt mein Navi oder tippe irgendwelche hochkomplexen Twitternachrichten.
Wenn ich mich mit jemandem unterhalte, schweift mein Blick nicht ab und ich höre zu, und wenn ich einkaufe, dann kaufe ich ein, und wenn ich schreibe, dann schreibe ich.

Aber vielleicht gehört es ja zu unserer schönen, neuen, superduperschnellen Welt, wo »Muttis Taskingfähigkeiten« sich wie ein alter C64 im Vergleich zu den Leistungen eines neuen Hyperrechners ausmachen, dass nur der »in« ist, der gleichzeitig tausend Dingen seine Aufmerksamkeit schenken kann, ständig auf dem neuesten Stand der Dinge und überhaupt omnipräsent und omniinformiert ist?
Muss das denn sein?
Muss man denn gleichzeitig einkaufen, die krähenden Kinder mit pädagogisch wertwollen Worten versuchen zu beruhigen, das I-Phone in der zittrigen Rechten, den vollbepackten Einkaufswagen in der Linken und mit gehetztem rechten Auge nach dem neuesten Angebot schielen, während das linke die neuesten News über Brad Pitt und Angelina Jolie fixiert?
Wenn ich es so nicht gesehen hätte, würde ich ja den Mund halten.
Aber diese Mutter hatte im Supermarkt auf dem I-Phone doch tatsächlich Facebook geöffnet, eine Horde kreischender Kids im und um den Wagen und versuchte Einkauf, Kids, Infos aus dem Leben der Schönen und Reichen und die neuesten Angebote aus der Tiefkühltheke des Supermarkts unter einen Hut zu kriegen. (Und bei DEM Display konnte sogar ich mit meinen schlechten Augen aus zwei Schritten Entfernung erkennen, dass es definitiv keine Einkaufs-App war, mit der Mutti Multitasking betrieb 😉 )

Hm.
Ich weiß nicht alles (sonst wäre ich jetzt nicht hier, sondern säße abgeschirmt und von unzähligen Geheimdienstchefs hofiert in der Zentrale der NSA), ich bin nicht überall (sonst würde nämlich auch überall Chaos herrschen). Ich bestimme die Hochzeiten, auf denen ich tanze ebenso, wie den Zeitpunkt, zu dem ich dort auftrete, selber, statt sie mir diktieren zu lassen.
Wenn ich also etwas mache, egal ob Autofahren, Lesen, Einkaufen, Schreiben oder mich mit jemandem unterhalten, dann bin ich mit ganzem Herzen und voller Aufmerksamkeit dabei. (selbst das Essen zelebriere ich wie eine heilige Messe des Papstes, wie man an den Bildern der Infection 2014 unschwer erkennen kann 😉 )
Und damit bin ich hochoffiziell »out«, weil nicht multitaskingfähig.
Aber damit kann ich leben.
Sollten wir vielleicht alle mal versuchen.
Eines nach dem Anderen erledigen, statt alles gleichzeitg.
Auch Mutti mit I-Phone und Rasselbande.
So voll retro eben 😉

Ich wünsche allen Besuchern meines Blogs eine tolle Woche

D.J.Franzen 🙂

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