„Der dunkle Wanderer“ Ein neues Projekt

Hier ein kleiner Auszug aus der Rohfassung zum Einstieg meines neuesten Projekts.

Der dunkle Wanderer
Nachdem die Welt untergegangen war, und die lebenden Toten die Welt, wie es sie einst gab, aufgefressen hatten, regierten rohe Gewalt und die Gier nach Macht. Nur der Stärkste konnte überleben und einige wurden so mächtig, dass sie sich eine neue Welt schufen, in der sie wie Götter regierten.
Auch ich lebte in so einem Reich.
Als Sklave.
Dann kam ER.
Ein einsamer Wanderer, in einer leeren und toten Welt. Niemand wusste, woher er kam, was seine Geschichte war oder wohin er ging. Aber als er uns verließ, war unser Leben ein anderes. Dies ist seine Geschichte, so wie ich sie erlebt habe.

I. Die kleine Kolonie

Die Sonne hing teilnahmslos an einem wolkenlosen Himmel. Seit dem großen Hunger war die Welt kahl, und das große, gelbe Auge blickte auf eine tote Welt hinab. Ein Ort sah aus wie der andere. Der Regen, sofern er denn kam, wusch auch noch die letzte fruchtbare Muttererde hinweg, die der große Hunger und seine Schergen zurückgelassen hatten. Der Wind war nur eine leichte Brise, aber trotzdem trug er einen ungewohnten Duft auf seinen Schultern. Grün. Erdig. Ein Hauch von Leben. In dieser toten Welt eine gefährliche Falle, wie die einer karnivoren Pflanze, die mit ihrem süßen Duft unachtsame Insekten anlockte, um sie in ihrem Kelch einzuschließen und langsam zu verdauen. Wo Leben war, da waren SIE nicht weit weg.
Ein Hund, ein Mischling aus den verschiedensten Rassen mit kurzem, dunklem Fell, lief auf dem sandigen Boden dem Duft entgegen. Er blieb stehen, hielt die Nase in die Luft und schnüffelte. Einige Schritte hinter dem Hund ritt ein Mann auf einem Pferd. Die Hufe des Pferds waren mit Lumpen umwickelt, denn Schweigen und Stille waren in der toten Welt überlebenswichtig. Der Kopf des Mannes war mit einem schwarzen Tuch verhüllt. Nur seine stahlblauen Augen, die misstrauisch die Welt sondierten und von feinen Fältchen in wettergegerbter Haut umgeben waren, konnte man erkennen. Er trug einen weiten, dunklen Umhang, der in der leichten Brise flatterte. Ein tiefschwarzer Schutzpanzer bedeckte seinen Körper. Zwei Pistolenhalfter waren über den Panzer geschnallt, das Messing der Patronen funkelte leicht im Sonnenlicht. Seine Stiefel, seine Hose, seine Handschuhe … alles an dem Mann war schwarz und staubig. Er wirkte wie der Tod auf der Suche nach den Letzten, die er noch nicht in sein Reich geholt hatte. Er war ein einsamer Wanderer und kam aus dem Nichts.
Der Wanderer sah die Reaktion des Hundes und zügelte sein Pferd. Sein Blick glitt suchend über das tote Land. Ein Schnüffeln erklang unter dem Stoff, der sein Gesicht bedeckte. Es roch tatsächlich nach Leben. Weit entfernt und nur schwach, aber deutlich vorhanden. Doch dahinter lag noch ein anderer Duft. Es war der süßlich-schwere Duft des Todes. IHR Gestank. Der Mann zog einen großen Revolver aus einem der Halfter und ließ das Pferd langsam weitergehen. Der Hund lief voraus, die Nase im Wind, den Körper angespannt. Einige Augenblicke später sah der Wanderer den Schatten am kahlen Horizont. Er ließ die Zügel locker über den Hals seines Pferdes fallen und griff mit der anderen Hand in seinen Umhang. Er holte ein Zielfernrohr hervor, hielt es an sein rechtes Auge und spähte hindurch.
Der Hund hatte recht gehabt, der Wind hatte nicht gelogen. Etwa zweihundert Meter vor ihm war ein Hungriger. Die ausgemergelte Gestalt trug nur noch Fetzen. Ein Fuß war nackt, den anderen bedeckte ein abgelaufener Schuh, dessen Sohle sich wie die Zunge eines Verdurstenden bei jedem Schritt nur widerwillig vom Boden löste. In der linken Wade des Hungrigen fehlte ein großes Stück Fleisch. Er war alleine, offenbar von seiner Herde getrennt worden oder der letzte Überlebende eines großen Fressens, bei dem sich die Hungrigen gegenseitig angefallen hatten. Obwohl er alleine war, und somit keine Intelligenz besaß, haftete dem Hungrigen etwas Zielstrebiges an. Der Wanderer ließ das Zielfernrohr sinken und dachte nach. Wenn sie von ihrer Herde getrennt wurden, oder nichts mehr zu Essen fanden, fraßen sich die Hungrigen einer Herde manchmal gegenseitig, bis nur noch der Stärkste übrig blieb. Viel öfter aber verfielen sie in eine Art Winterstarre, wenn es nichts mehr gab, was sie fressen konnten. Was hielt diesen hier wach? Spürte auch er die Nähe von Leben? Der Wanderer verstaute das Zielfernrohr wieder in seinem Umhang, griff nach den Zügeln und schnalzte mit der Zunge. Das Pferd reagierte und fiel vom Schritttempo in leichten Trab. Der Hund sah nur kurz über die Schulter und passte sein Tempo an. Er lief voraus, wie er es sollte. Der Hungrige torkelte über das kahle Land, und der Wanderer folgte ihm mit einigem Abstand. Vielleicht gab es dort, wohin ihn der Hungrige führte, Leben. Vielleicht war es aber auch nur eine sinnlose Hoffnung, eine Fata Morgana, die ihn in das große Nichts führen würde. Wenn er Glück hatte, führte ihn der Hungrige an einen Ort, wo er seine Vorräte gegen ein paar der Beutestücke der toten Welt, die in seinen Satteltaschen verstaut waren, eintauschen konnte.
Vielleicht, vielleicht und wenn er Glück hatte.
Das war nichts Handfestes.
Aber immerhin ein Ziel.

to be continued … later 😉

Ich wünsche allen Besuchern meines Blogs einen tollen Start in die Woche und (sofern sie in einer der Karnevalshochburgen leben) … Kölle allaaf 😀

D.J.Franzen

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