Vampire …

Mythos, Krankheit … oder doch Wahrheit?
II. Teil der Artikelserie

Im ersten Teil meiner kleinen Artikelserie über den Mythos der Vampire, habe ich in erster Linie historische Personen beleuchtet, die den Grundstein für die modernen Legenden um die Blutsauger legten. Mythen, Legenden, Aberglauben … Sie können sich sicher vorstellen wie überrascht ich war, als ich während einer kurzen Plauderei mit einem Arzt erfuhr, dass längst nicht alles Aberglaube ist, was in mündlichen Überlieferungen von Generation zu Generation weitergegeben wird.
Denn der Vampirismus kann sogar eine Krankheit sein, die sogar heute noch existiert.
Es handelt sich dabei um eine Stoffwechselkrankheit, die in weiten Teilen die gleichen Symptome hervorruft, an denen auch Vampire oft leiden. Was wäre also, wenn es tatsächlich eine Krankheit gäbe, die nur durch die Verabreichung von Blut zu lindern wäre?

Die Porphyrie
Die Porphyrie ist eine Stoffwechselkrankheit die sowohl vererbt, als auch durch Vergiftungen durch Blei, Quecksilber oder Pflanzenschutzmittel erworben werden kann. Gerade die Gefahren von Blei und Quecksilber wurden früher oft unterschätzt. Die von einer Porphyrie betroffenen Menschen leiden oftmals an einer Überempfindlichkeit gegen Sonnenlicht. Ihre Zähne neigen zu einer Rotfärbung, Gaumen und Lippen beginnen zu schrumpfen, was zu der typischen Vampirfratze führen kann, die spätestens seit dem legendären Max Schreck (*1879, +1936) bekannt ist. In seiner Rolle als Nosferatu verlieh dieser Schauspieler dem wohl gruseligsten Vertreter der Blutsauger ein Gesicht, welches den Legenden am nächsten kam. Geradezu unheimlich muss hierbei anmuten, dass Knoblauch für die an Porphyrie Erkrankten wie Gift wirkt. Zu der Zeit, als die Medizin noch in den Kinderschuhen steckte, die Gefahren von Blei und Quecksilber noch weitgehend unbekannt waren und Aberglaube und Unwissenheit herrschten, war diese erblich bedingte Krankheit nur durch die Gabe von Tierblut ein wenig zu lindern.

Wenn man also das verzerrte Gesicht eines vermeintlichen Strigoi nimmt, dieses mit den Auswirkungen der Porphyrie und deren Behandlung in Zusammenhang setzt, so wird schnell deutlich, wie sich Dichtung und Wahrheit zu einem Mythos verbinden, denn die Symptome einer Porphyrie können unter anderem schwere, kolikartige Bauchschmerzen (oft tagelang anhaltend), Übelkeit und Erbrechen, Krampfanfälle und Psychosen sein. Alles Verhaltensweisen, die auch Vampire unter gewissen Umständen zeigen.
Es ist also nicht verwunderlich, dass die Menschen, die sich diese Krankheit erworben haben, in der Vergangenheit oft als Besessene oder eben Vampire angesehen wurden.
(In dem Roman »Paula« der chilenischen Schriftstellerin Isabel Allende wird das Schicksal ihrer Tochter, die an Porphyrie litt, thematisiert. In diesem Roman gibt es aber keinen Bezug zur Vampirthematik)

Die Vampire zwischen den Buchdeckeln
Nachdem ich mich mit den Ursprüngen der Legenden und Mythen um Vampire beschäftigt und auch nach einer rationalen Erklärung für Vampirismus gesucht hatte, wandte ich mich bei meinen Recherchen der literarischen Seite der Vampire zu. Immerhin gehört zum Überleben und Wachsen eines Mythos auch ein gewisses Marketing.
Und so vergrub ich mich in Belletristik und Prosa, um dem Mythos über Vampire auf die Spur zu kommen.

Als einen der Väter des literarischen Vampirs kann man zunächst John Polidori (*1795 *1821) nennen. Sein Werk »Vampyr – Eine Erzählung«, erschienen in der edition scaneg, München 1991, ISBN 3-89235-509-6 war eine der ersten Veröffentlichungen, die sich dem Thema Vampirismus auf literarische Weise näherte.
Ebenso muss hier Joseph Sheridan Le Fanu (*1814 + 1873) erwähnt werden, der mit seinem Werk »Carmilla« erstmals einer lesbischen Vampirin Gestalt verlieh. (Diogenes Verlag, erschienen April 2011, ISBN 978-3-257-24087-0)
Wenn wir aber an Vampire denken, kommt uns unweigerlich jene sagenhafte Gestalt in den Sinn, die wir nur unter dem Namen »Graf Dracula« kennen, dem Urvater aller Vampire moderner Prägung. Erschaffen und erdacht von Abraham »Bram« Stoker.

Bram Stoker wurde 1847 als drittes von sieben Kindern geboren. Er war bis zu seinem siebten Lebensjahr sehr krank, konnte kaum selbstständig stehen oder gehen, was vermutlich seine große Faszination erklärt, die eine vitale Figur wie sein Graf Dracula auf ihn ausübte. Vermutlich haben ihn zu dieser Zeit körperliche Aktivitäten derartig geschwächt, dass auch die Symbolik des ewigen Schlafs und der Wiederauferstehung von den Toten sein Werk beeinflusst haben.
Eine nicht unbeträchtliche Rolle bei der Erschaffung dieses Romans dürfte die Begegnung von Stoker mit dem ungarischen Professor Arminus Vámberv spielen. Dieser erzählte Bram Stoker von den Legenden um den rumänischen Fürsten Vlad III. Dráculea.
Somit vermischen sich also in dem legendären Roman von Bram Stoker erstmals reale Gegebenheiten und Legenden zu einem literarischen Werk mit nachhaltigem Einfluss bis in die heutige Zeit.

Dieser Einfluss zeigt sich heute teilweise in der sogenannten Gothicszene, wo schwarz die ewig moderne Farbe der laufenden Haute Couture Saison ist. Was aber viele Menschen erschreckt, oder zumindest ein Stirnrunzeln bei ihnen hervorruft, ist im Grunde nichts anderes, als der gelebte Ausdruck eines Lebensgefühls. Denn im Mythos um den Vampir spiegeln sich ganz reale Fakten unseres Lebens wider, die ihre ganz eigene Faszination schon seit Urzeiten auf uns ausüben.
Geben und Nehmen, dargestellt durch den Biss des Vampirs und das Aussaugen des Bluts seines Opfers, welches im Gegenzug ewiges Leben erhält. Eros und Thanatos, also die Liebe und der Tod, die im realen Leben immer mit großer Tragik und Dramatik einhergehen. Immerhin ist der Biss eines Vampirs oft auch von großer Erotik begleitet, die aber letztendlich die Tragik des Verlusts für ihn beherbergt, denn sein Kuss bringt den Tod.
Wenn Sie also einem jungen Menschen begegnen, der sich schwarz kleidet und mit einem Flair der blassen Unheimlichkeit umgibt, so müssen Sie nicht die Straßenseite wechseln. Vampire pflegen in der Regel nicht zur Mittagszeit auf die Suche nach einem Imbiss zu gehen, und sich dann einen »Döner komplett mit scharf« zu bestellen. Immerhin könnte diese türkische Spezialität mit Knoblauch gewürzt sein. Viel eher ist es zu raten, in bestimmten Gegenden niemals auch nur ein gehauchtes Wort über Nachzehrer, Wiedergänger oder Vampire fallen zu lassen.

In der nächsten Folge möchte ich genau auf diesen Punkt eingehen, denn bei aller wissenschaftlichen Aufklärung, ist der Glaube an Vampire auch heute noch vorhanden.
Bis dahin wünsche ich Ihnen ein ruhiges Wochenende, eine angenehme Nachtruhe und ich möchte Ihnen dringend nahelegen, Friedhöfe und deren nähere Umgebung in der Dunkelheit zu meiden.
Denn … was würden Sie tun, wenn aus den Gräbern um sie herum schmatzende und kratzende Geräusche erklingen?

D.J.Franzen

Advertisements
Dieser Beitrag wurde unter Allgemein veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s