Vampire …

… Mythos, Krankheit … oder doch Wahrheit?
III. Teil der Artikelserie

Wie im vorherigen Teil dieser kleinen Artikelserie angekündigt, möchte ich heute ein wenig auf aktuelle Vampire eingehen. Damit meine ich aber nicht jene, meist gut aussehenden Exemplare, die uns auf der Leinwand begegnen und die Frauenherzen höher schlagen lassen.
Nein, ich möchte eher auf ganz reale Vampire eingehen.
Aber zuerst möchte ich noch einmal kurz beleuchten, wie wir heute Vampirismus sehen oder ihn wissenschaftlich zu erklären suchen.

Vampirismus im Alltag und in der Erotik
Vampirismus ist in erster Linie eine hohe Affinität zum Blutsaugen. Dies kann man natürlich wortwörtlich verstehen, so wie es in Literatur und Filmen oftmals der Fall ist, und was ja letztendlich auch der Sinn meiner Recherchen war.
Die Saugenden und / oder Bluttrinkenden versprechen sich in der Regel den Gewinn von meist überirdischer Stärke, oder zumindest den Fähigkeiten und dem Wissen des Ausgesaugten.
Dieser recht seltenen Praxis wohnt jedoch auch eine erotische Komponente bei, die gerade in der Literatur und im Film immer wieder zum Tragen kommt. Sowohl der aktive, als auch der passive Part einer solchen Spielart des Sex beziehen einen Lustgewinn aus den Bissen im Nackenbereich, die manchmal sogar bis zum Trinken kleiner Blutstropfen ausgelebt wird.

Aber auch abseits dieses eher intimen Aspektes, begegnen wir immer wieder Vampiren oder Menschen, die sich der Methoden dieser mythischen Gestalten bedienen. Diese Menschen sind nicht unbedingt die klassischen Blutsauger, vielen wird sogar nur der Beiname »Vampir« gegeben, um ihre Blutrünstigkeit plakativ zur Schau zu stellen.

Der Vampir, der Schlächter, der Werwolf von Hannover …
… Fritz Haarmann (* 25. Oktober 1879 in Hannover † 15. April 1925 Hannover)
Er kann als einer der ersten Mörder der neueren Zeit gelten, der in Deutschland den Beinamen »Vampir« erhielt. Dies geschah nicht ausschließlich aus reißerischen Gründen, sondern auch deswegen, weil Haarmann seine Opfer laut eigener Aussage mit einem Biss in den Hals tötete. Seine Opfer suchte er sich im Millieu der sogenannten »Puppenjungs«, männlichen Prostituierten. Ob der Biss in den Hals der sexuellen Erregung Haarmanns diente, oder ob es ihm als die sicherste Methode erschien, seine Opfer zu töten, wird Spekulation bleiben.
Das Leben und die Taten Haarmanns dienten bisher etlichen Künstlern als Grundlage für einige ihrer Werke.
Als älteres Beispiel sei hier unter anderem der deutsche Spielfilm »Die Zärtlichkeit der Wölfe« aus dem Jahr 1973 von Ulli Lommel (Regie) und dem Produzenten Rainer Werner Fassbinder genannt. Der Film zeigt den Schauspieler Kurt Raab als Serienmörder und erzählt die Geschichte des Jungenmörders Fritz Haarmann. Abweichend von den historischen Ereignissen wird die Geschichte aber von den 1920er Jahren in die Nachkriegszeit verlegt und spielt im Ruhrgebiet.
Als jüngeres Beispiel dient die 2010 im Carlsen Verlag erschienene Graphic Novel mit dem Titel »Haarmann«« von Peer Meter. Die düster-beklemmenden Zeichnungen von Isabel Kreitz erzählen auf besonders tiefe Art und Weise die Geschichte dieses Serienmörders.

Aber neben Fritz Haarmaan gibt es noch einen Mörder, der den Beinamen »Vampir« verliehen bekam.
Es ist der …

… Vampir von Düsseldorf
Peter Kürten, * 26. Mai 1883 in Mülheim am Rhein † 2. Juli 1931 in Köln bekam von der Presse den Beinamen »Der Vampir von Düsseldorf«. Seine Taten lösten im Rheinland eine Hysterie aus, die es in dieser Form danach nicht mehr gab.
In den zehn Tagen seines Prozesses sagte Peter Kürten unter anderem aus, dass er zu seiner sexuellen Befriedigung getötet habe. Überdies gab er zu Protokoll, dass er einem Schwanenküken, welches er durch einen Halsschnitt getötet hatte, das Blut aus der Wunde gesaugt habe. In den Akten zu seinem Fall, die heute noch im Landesarchiv Nordrhein-Westfalen aufbewahrt werden, gilt es als gesichert, dass er sich auf ähnliche Weise auch an weiteren menschlichen Opfern vergangen haben soll. Peter Kürten gab selber an, die 25-jährige Maria Hahn »ausgesaugt« zu haben. Das aufgenommene Blut habe er kurz nach der Tat aber wieder erbrochen.
Auch Peter Kürten und seine Taten dienten als Vorlage für eine künstlerische Umsetzung.
So nehmen Stephen King – in seinem Roman »Brennen muss Salem« – und John Katzenbach – in seinem Roman »Das Rätsel« – Bezug auf Kürten und seine Taten. Alisha Bionda und Jörg Kleudgen stellten die Figur Peter Kürten 2007 in Band 9 der Reihe »Wolfgang Hohlbeins Schattenchronik« – »Der Vampir von Düsseldorf« – in einen entsprechend vampirischen Rahmen.

Vampire heute
Doch auch neben diesen beiden »Vampiren«, deren Taten bereits lange in der Vergangenheit liegen, gibt es heute noch im manchen Gegenden im kollektiven Gedächtnis ein Unbehagen, wenn von Vampiren die Rede ist. Dieses diffuse Gefühl, das sich im schlimmsten Fall in einer Art Massenhysterie Bahn brechen kann, bezieht sich allerdings wieder mehr auf die Sagen, Legenden und Mythen der Blutsauger.
So war mein Rat aus der letzten Folge, nicht in allen Gegenden frisch von der Leber weg nach Vampiren zu fragen oder sie zu erwähnen, ernst gemeint. Denn 2005 ist der letzte bekannte Fall von Vampirglauben an die Öffentlichkeit gekommen.
Im rumänischen Dorf Marotinu de Sus haben aufgebrachte Dorfbewohner den Leichnam eines bereits seit zwei Jahren toten Mitbewohners ausgegraben, da er unter dem Verdacht stand, ein Strigoi zu sein. Man schnitt den Körper der Leiche auf, entfernte das Herz und verbrannte es. Die Asche wurde in Wasser aufgelöst und die Familienangehörigen tranken die Lösung, um den Fluch zu bannen.

Vampire sind also nicht unbedingt auf das Genre »Horror« beschränkt, sondern können sich auch, ganz unmystisch, in Thrillern, Krimis oder sogar wahren Kriminalfällen verbergen. Es vermischen sich auch heute noch, wie man an den Beispielen der Taten der beiden Serienmörder Haarmann und Kürten erkennen kann, sehr schnell Fiktion, Mythos und Wahrheit und tragen mit dazu bei, dass der Mythos um Vampire ungebrochen bleibt. Zum Glück gelangt aber nicht alles, was (Serien)Mörder so treiben, gelangt auch an das Licht der Öffentlichkeit.
Ich denke, wir können froh darüber sein.
Denn was wäre wenn … Sie ihren Nachbarn eines Nachts mit blutigem Mund im Garten erwischen würden? Würden Sie ihm noch Hilfe anbieten, oder doch lieber gleich zu Kruzifix (sofern vorhanden) oder Pflock greifen?

In der nächsten und letzten Folge dieser kleinen Artikelserie möchte ich auf eine Besonderheit der Vampire und ihrer Mythologie eingehen. Denn je weiter wir uns von Ost nach West bewegen, um so mehr verändern sich ihr Aussehen, ihr Verhalten und die Legenden.

Bis dahin wünsche ich Ihnen einen guten Start in die Woche, wie immer eine angenehme Nachtruhe und ich rate Ihnen dringend, sich einen Kranz Knoblauch an das Fenster Ihres Schlafzimmers zu hängen.
Und sollte ihr Nachbar eines Nachts mit blutigem Gesicht im Garten stehen und sich mit gehetztem Blick umsehen … verschließen Sie Fenster und Türen, seien Sie mucksmäuschenstill und rufen Sie die Polizei.
Sicher ist sicher.

D.J.Franzen

Advertisements
Dieser Beitrag wurde unter Allgemein veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s