Ups! I did it again

Eigentlich wollte ich Bücher nicht mehr besprechen. Da ich selber schreibe, hat so eine Besprechung auch immer ein G’schmäckle, weil bei einer guten Rezi könnte man ja Schleimscheißerei wittern, bei einem Verriss Futterneid. Aber manchmal laufen mir Bücher über den Weg, die mich nach der letzten Seite derartig zufrieden zurücklassen, dass ich dann doch irgendwie meine Begeisterung teilen möchte.

»Boston Run« und »New York Run« von Frank Lauenroth sind solche Bücher, die mir im wahrsten Sinne des Wortes über den Weg gelaufen sind und mich mit einem breiten und zufriedenen Grinsen zurückließen. Also werde ich meinen eigenen Vorsätzen untreu und bespreche die beiden Marathon-Thriller.
Ich hoffe, ich lande dafür jetzt nicht in der Hölle 😉
Da ich »Boston Run« schon einmal besprochen habe und »New York Run« der direkte Nachfolger ist, habe ich mich entschlossen, zu »New York Run« eine Doppelbesprechung zu machen.
Aber zuerst die Fakten.

Wer ist Frank Lauenroth?
Frank Lauenroth wurde 1963 in einem kleinen Ort geboren, welcher sich 26 Jahre später plötzlich in einem Bundesland namens Sachsen-Anhalt befinden sollte. Nach Durchlaufen der Schulen der DDR erlernte er den Beruf eines Maschinenschlossers und studierte dann in Magdeburg „Allgemeinen Maschinenbau und Konstruktion“. Bereits während des Studiums erkannte er zwei Dinge: 1. sein Beruf sollte eher mit Computern als mit Getrieben zu tun haben und 2. sein Rüstzeug der deutschen Sprache sollte in Geschichten und (vor allen Dingen) Romanen Ausdruck finden. Letzteres trat dann, wenn auch mit leichter Verspätung, ein.
Denn zuerst zog er, mit einer Zwischenstation von 5 Jahren Bad Oldesloe, nach Hamburg. Mittlerweile als Programmierer tätig und beruflich gefestigt, wartete Franks literarisches Talent auf die Initialzündung.
(Quelle: http://www.franklauenroth.de)

»Boston Run« Inhalt:
Brian Harding war immer ein guter Sportler – aber niemals ein herausragender! Der Boston-Marathon ist erst sein zweiter Start über die 42-Kilometer-Distanz, doch Brian weiß, dass er heute gewinnen wird. Ein neues Dopingmittel verleiht seinem Körper ein Mehrfaches des normalen Leistungsvermögens. Die Substanz baut sich während des Laufs ab, sodass sie nach dem Überqueren der Ziellinie nicht mehr nachweisbar sein wird.
Ein scheinbar perfekter Plan.
Doch außer der Siegprämie von 150.000 Dollar wartet bereits der Geheimdienst NSA auf Brian. Die Formel dieses neuen Dopingmittels ist immens wertvoll, und die NSA-Einsatzleiterin Rachel Parker weiß, dass sie an Brians Blut gelangen muss, bevor er auf die Zielgerade einbiegt.

Broschiert: 224 Seiten
Verlag: Sportwelt Verlag; Auflage: 1 (16. August 2010)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3941297058
ISBN-13: 978-3941297050
(Quelle: amazon.de)

»New York Run« Inhalt:
Fort Worth, Staten Island, New York. Anfang November. Fünf Grad über Null. 42 Kilometer bis in den Central Park. Brian Harding muss erneut „Laufen, Laufen, Laufen!“ Doch diesmal trägt er die perfekte Dopingsubstanz nicht freiwillig in seinem Körper. Gezwungen durch den skrupellosen Oligarchen Stalin laufen er und sein Freund Christopher Johnson gegen die Zeit, gegen die Marathon-Weltelite und gegen die Entdeckung ihrer Identität durch den Geheimdienst NSA.
Stalins Regeln sind einfach: Einer von ihnen muss den Lauf gewinnen. Keiner von ihnen darf stehen bleiben. Andernfalls explodieren die Sprengladungen in ihren Schuhen. Jederzeit verfolgt von den Kameras, die die Bilder des New York City Marathons in die ganze Welt übertragen, bleiben Brian und Chris nur zwei Stunden Zeit, um ihr Leben zu retten. Die atemlose Fortsetzung des Marathon-Thrillers „Boston Run“.

Broschiert: 280 Seiten
Verlag: Sportwelt Verlag; Auflage: 1 (Oktober 2012)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3941297198
ISBN-13: 978-3941297197
(Quelle: amazon.de)

Der erste Eindruck
Das Buch »Boston Run« von Frank Lauenroth erschien zuerst via BoD. Die dortige Ausgabe hatte ein sehr gelungenes und aufwendiges Cover, aber auch die wohlverdiente Neuauflage in einem regulären Verlag wartet mit einem coolen Cover auf, dass einen Blick ins Buch geradezu herausfordert. Neugierig geworden schlug ich zu, als ich die BoD-Ausgabe bei Ebay entdeckte.
Ich erwartete ein nicht allzu besonderes Buch, von einem unbekannten deutschen Thrillerautoren. Mittelprächtige Kost für zwischendurch sollte mir aber allemal geboten werden.

Der zweite Eindruck …
… war seinerzeit eine stumme, aber dafür von Herzen kommende Entschuldigung in Richtung des Autoren! Das, was ich hier auf den ersten Seiten zu lesen bekam, war alles andere als einfache 08/15-Kost für zwischendurch. Im Gegenteil, ich war schneller hin und weg, als es mir bei manch bekannterem Autor passiert.
Was war es, das mich so fesselte?
Ganz einfach, es waren …

… die Sprache und der Plot
Frank Lauenroth hält sich von Beginn seines ersten Marathon-Thrillers nicht mit langatmigen Erklärungen auf. Wie es sich für einen Thriller gehört, setzt er schnell und ohne unnötige Schnörkel den Leser ins Bild der von ihm geschaffenen Ausgangssituation. Dabei schafft er es scheinbar mühelos, die Atmosphäre eines Marathons kurz vor dem Start wunderbar einzufangen. Hier hat mit ihm Sicherheit die eigene Erfahrung mit solchen Sportereignissen geholfen, die er erstklassig und vor allem spannend lesbar umsetzt. Ebenso bringt er dem Leser die Protagonisten mit einer Routine nahe, als würde er sein Geld mit dem Verfassen von Spannungsromanen verdienen.
Ich war nach den ersten Seiten gespannt, ob er dieses Tempo, und diese Professionalität durchhalten würde.

Die Einsamkeit des Langstreckenläufers …
… fängt der Autor durchgehend sehr gut im weiteren Verlauf der Handlung ein. Dazu kommen tolle Ideen, eine rasante Handlung, die niemals langweilig wird, oder solche Salti schlägt, wie sie bei anderen Thrillern manchmal üblich sind, wenn der Verfasser seine Helden in die Ecke gedrängt hat.
Und das Beste kommt wahrhaftig wie in dem alten Sprichwort zum Schluss: Nämlich ein Ende, das mir ein breites Grinsen ins Gesicht zauberte, und mich sehr zufrieden zurückließ.

New York Run … ein würdiger Nachfolger?
Definitiv, ja!
Den an genau dem Punkt des Lesespaßes, an dem »Boston Run« so herrlich endete, setzt »New York Run« wieder ein. Frank Lauenroth webt auch im Nachfolger wieder eine dichte Atmosphäre und schafft es Humor, Spannung, Fachwissen (er läuft selber Marathon) in eine aberwitzige Verschwörung einzuweben, die ausgerechnet auf einem weltberühmten Marathon »ausgelebt« wird.
Alleine schon die Idee, den Nachfolgeroman so aufzusetzen, ist genial und hat mir schon auf den ersten Seiten schon ein breites Grinsen ins Gesicht gezaubert.

Es ist nicht notwendig, den Vorgänger zu kennen. Lauenroth schafft es Infos aus dem ersten Band gezielt und ohne nerviges »Achtung! Wichtige Info!« in die Handlung einzuweben.
Das nenne ich Handwerk.
Respekt, Herr Lauenroth 🙂

Mein Fazit:
Es fällt mir schwer bei dieser Besprechung der beiden Bücher »Boston Run« und New York Run« nicht zu spoilern. Zu dicht ist in beiden Romanen die Atmosphäre gewebt, zu rasant die Handlung. Aus diesem Grund bin ich bewusst bei einer allgemeinen Beschreibung geblieben, denn diese Bücher sollte man gelesen haben, ohne zu viele Details über den Inhalt zu kennen. Alles, was ich im ersten Teil der Doppelbesprechung über »Boston Run« gesagt habe, lässt sich 1:1 auch auf den Nachfolger »New York Run« übertragen. Es geschieht sehr selten, dass ich für ein Buch mein eigenes Schreiben auf Seite schiebe, weil ich wissen will, wie es weitergeht.
Frank Lauenroth hat es geschafft.
Zwei Mal.
Wer also selber gerne läuft und liest, sollte hier zuschlagen. Und wer lieber »nur« gerne rasante Thriller liest, sollte ebenfalls zuschlagen, denn alleine das Setting der beiden Romane ist eine wohltuende Abwechslung, vom Spaß an der gelungenen Umsetzung ganz zu schweigen.
Ich hoffe, dass Frank Lauenroth noch viele solcher Ideen auf Lager hat, und mir noch den einen anderen Thriller serviert (selbst wenn sich dadurch die Vollendung meiner eigenen Projekte mal wieder um zwei Tage verschiebt)

Ich wünsche allen Besuchern meines Blogs ein schönes Wochenende mit perfektem Laufwetter.
Verdammt, sollte er den dritten »Run« auf die Beine stellen, könnte ich mich glatt selber mit dem Gedanken an den Kauf eines Paars Laufschuhe anfreunden.

D.J.Franzen

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2 Antworten zu Ups! I did it again

  1. Patrick Adolph schreibt:

    *grummel grummel* Wunschliste *grummel* 😉

  2. exophyt schreibt:

    Ups – heute erst gesehen. Danke für deine Doppel-Rezi. Der Autor ist erfreut 😉 Dein Paar Laufschuhe kannst du fest für 2017 einplanen 😉

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