Die Schreibblockade …

… das Damoklesschwert über den Köpfen von Autoren

Jeder Autor kennt sie, egal welcher Typ er ist. Das böse Wort der Schreibblockade geistert immer wieder durch Schreib- und Autorenforen, sorgt für Diskussionen und verbreitet Angst und Schrecken. Ich habe sie vor ein paar Tagen beim Surfen durch die verschiedensten Foren für Autoren wieder einmal »entdeckt« bzw. von ihr gehört. Meist wird sie begleitet von einem ängstlichen, ja manchmal sogar hysterischen Tonfall.
Deswegen möchte ich Sie heute zu einem Blick auf meine Seite des Bildschirms einladen.
Bevor ich aber an meine ganz persönliche Definition dieses speziellen Zustands gehe, möchte ich zuerst meine ganz eigene Einteilung der verschiedenen Arten von Autoren aufzählen.

Die Autorentypen

Der 5-Jahres-Planer

Ohne einen detaillierten Plot oder Exposé – teilweise sogar kapitelweise – fängt dieser Autor nicht an, einen Roman zu schreiben. Teilweise sind diese Exposés so dicht aufgebaut, dass sie wie eine Miniatur des fertigen Werks wirken. Der 5-Jahres-Planer ist wie der Klassenstreber. Ohne explizite Vorbereitung geht der in keine Prüfung oder später durch das Leben.

Der Weltenbauer
Ein Typ Autor, der sogar unsere normale Welt für seine Figuren so facettenreich und tief entwirft, dass er selbst Details, die niemals in seinem Roman eine Rolle spielen werden, in seinen Weltentwurf aufnimmt. Er hat ein wenig vom Klassenstreber, ist aber abschweifender. Der Lehrer will etwas über Magnetismus wissen und der Weltenbauer kann aus der Hüfte erklären, wie das Magnetfeld die Polarlichter beeinflusst. Im späteren Leben ist er der Architekt, der um sich herum ein Gerüst für sein Leben aufbaut und dabei versucht, alle Eventualitäten mit einzuplanen.

Der Konzeptionist
Plant quer durch. Plot, Welt, Figuren … es wirkt auf den ersten Blick chaotisch, was er da für sich niederschreibt, seine Notizen wirken wie wirre Zauberformeln, die mit einem hochkomplexen Verschlüsselungsprogramm chiffriert wurden. Aber alles hat seinen Sinn und Platz in dem Gefüge, das einst eine Geschichte werden soll. Er ist ein wenig wie der Klassenclown. Ein Hans-Dampf in allen Gassen, der aber trotzdem immer respektable Noten heimbringt. Im späteren Leben begegnen wir ihm als Weltenbummler, er hatte verschiedene Jobs und ist sändig mit neuen Sachen beschäftigt, die sein Leben bereichern.

Der Minimalist
Er hat ein Bild vor Augen und schreibt frei nach Rudi Carrell einfach drauflos. »Lass dich überraschen« ist seine Devise. Ihm ist jedes Mittel recht, um ein gutes Ergebnis zu erzielen. Der Albtraum eines jeden Sitznachbarn in der Schule, denn von ihm abzuschreiben, ist nahezu unmöglich. Er ist so jemand, der die Dinge auf sich zukommen lässt. »Et kütt wie et kütt«, wie man in Köln so schön lautmalerisch sagt.

Was ist sie eigentlich, diese Schreibblockade?

Jetzt haben wir vier verschiedene Typen von Autoren und ein Problem.
Es ist Zeit sich an die Arbeit zu machen … und nix kommt. Sie starren das leere Blatt Papier, den weißen Bildschirm an und wissen nicht, was als Nächstes zu tun ist.
Dabei bin ich mir noch nicht einmal sicher, ob in so einer Situation das Wort Schreibblockade richtig gewählt ist. Ich sehe die »Schreibblockade« eher als einen Ideenstau an. Als eine Art Prüfungsangst.
Es ist alles da. Das gesamte Wissen, das man für die Prüfung braucht.
Und trotzdem herrscht eine paradoxe Mischung aus Funkstille und Chaos im Äther der Gedanken.
Egal welcher Typ Autor, jeden kann es treffen.
Wie kommt das?

Das Baustein-Prinzip
Jeder Autor, egal welcher Typ er ist, baut wie ein Kind eine Idee an die andere. Jede Geschichte ist für mich also die Aneinanderreihung mehrerer Ideen, die wir wie Bausteine aufeinandertürmen. Manche sortieren sich die Steine vorher, wie ich oben zeigte, andere greifen einfach in die Kiste und suchen nach dem nächsten passenden Stein.
Sicher, es gibt sie DIE EINE IDEE, auf der alles basiert, die das Fundament der Geschichte bildet. Aber auch das, was danach kommt, sind einfach nur Ideen, die aus der Imagination des »was wäre wenn?« entstehen. Ich sehe also eine Schreibblockade eher als eine Art Ideenstau an, schlimmstenfalls sogar als Ideenleere, wenn einem so rein gar nichts mehr einfällt.
Die Schreibblockade ist also ein bisschen wie die Prüfungsangst.
Das Wissen ist da, aber in diesem ganz speziellen Moment will es derartig geballt aus dem kleinen Nadelöhr unserer Finger heraus auf die Tasten und auf den Bildschirm, dass es zu einem Rückstau kommt.
Für jeden Autor in der Tat ein schrecklicher Moment.

»Was tun?«, sprach Zeus
Ich selber bin ein Konzeptionist. Ich habe etliche A5-Schulhefte voll mit Notizen und Zeichnungen und Skizzen und Rohszenen. Ich könnte mich natürlich im Falle eines Ideenstaus wie ein weird Scientist mit wirren Haaren irrem Blick und leise vor mich hin murmelnd in meine Notizen stürzen. Aber in solchen Momenten, wo sich in meinem Kopf alles staut und ich sozusagen eine kreative Verstopfung habe, mache ich ganz einfach nichts. Ich sitze allerdings nicht vor dem Bildschirm und starre ihn an, während ich nichts tue. Nein, ich gehe solche Situationen eher gelassen an, schreibe einfach nicht und ich beschäftige mich bewusst auch mit nichts, was in die Richtung des jeweils aktuellen Projekts geht. Ich suche mir Ablenkung durch andere Aktivitäten. Vorzugsweise solche, bei denen ich auch wirklich abgelenkt bin und explizit nicht ans Schreiben denke. In solchen Momenten pfeife ich auf jedewede Schreibdisziplin oder Deadlines, denn alles, was ich unter diesem Druck schreiben würde, wäre Mist.
Und das wäre respektlos den Lesern gegenüber.
Deswegen schnappe ich mir einfach ein kleines Notizbuch, das in meine Hosentasche passt, einen Stift und beschäftige mich mit anderen Dingen, die mit dem Schreiben nicht das geringste zu tun haben. Durch diesen Abstand zu dem Problem kann ich für mich selber diese »kreative Verstopfung« lösen, kann meinen Träumen und Ideen Gelegenheit bieten, sich zu ordnen.

Manchmal kann dieses Vorgehen sogar im Alltag helfen, wenn so viele Dinge auf einmal zu erledigen sind, dass man einfach nicht mehr weiß, wo man beginnen und wo man aufhören soll.
Dann ist es an der Zeit, den Dingen einfach mal ihren Lauf zu lassen, zurückzutreten und sich das Gesamtbild ganz in Ruhe anzuschauen.
Ohne Druck, ohne Stress.
Und da hilft vielleicht sogar das berühmte Gelassenheitsgebet der Anonymen Alkoholiker. Dabei ist es egal ob man ein Autor mit Schreibblockade ist, oder ein Leser, in dessen Alltag eine tobsüchtige Wirklichkeit alle Pläne und guten Vorsätze über Bord wirft. Und dabei ist es auch egal ob man von dieser Krankheit betroffen ist oder nicht sonderlich religiös.
»Gott, gib mir die Gelassenheit, Dinge hinzunehmen, die ich nicht ändern kann, den Mut, Dinge zu ändern, die ich ändern kann, und die Weisheit, das eine vom anderen zu unterscheiden.«
(Vermutlich vom US-amerikanischen Theologen Reinhold Niebuhr, * 21. Juni – † 1. Juni, verfasst)

Manche Ideen eines Autors lassen sich eben nicht, oder nicht wie geplant umsetzen, ohne in eine finstere Sackgasse zu führen und manchmal hat das Leben eine derart tobsüchtige Wirklichkeit als Ass im Ärmel, dass man nicht mehr weiß, was man machen soll ohne alles zu verschlimmern. In beiden Fällen sollte man dann einfach einen Schritt zurücktreten, die Dinge aus einer anderen Perspektive betrachten und entscheiden, was zu tun ist.
Auf einem neuen Weg weitermachen, etwas Neues beginnen oder einfach abwarten, bis sich der Sturm gelegt und der Rückstau aufgelöst hat.

In diesem Sinne wünsche ich allen Besuchern meines Blogs noch eine tolle Woche voller Gelassenheit, Mut und Weisheit.

D.J.Franzen

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