Hintergrundrauschen

oder
Der Klang der Realität

Schreiben ist eine einsame Sache. Teamarbeit wird es erst, sobald der Text an Testleser, Lektorat oder den Verlag geht. Aber bis dahin ist Schreiben ein wenig so, als würde man als Autor vor einem alten Kurzwellenempfänger oder Radio sitzen und versuchen auf Kurzwelle einen Sender aus dem Land der Phantasie zu empfangen.
Wenn alles klappt, dann empfängt der Autor eine Nachricht. Dann schnappt er sich Bleistift und Papier und schreibt mit was er hört.
Wenn er Glück hat, ist diese Nachricht sogar zusammenhängend.
Manchmal aber sind diese Wortfetzen nur Bruchstücke von etwas Größerem.
Dann wird der Jagdinstinkt wach.

Ob es der neueste Gesetzesentwurf ist – der schnell noch während des WM-Trubels und den kommenden Sommerferien an der Aufmerksameit der Bürger vorbeigequetscht werden muss – oder der aktuellste Skandal um einen großen Internethändler oder einen riesigen Bekleidungsdiscounter … das sind Informationen, die plötzlich vollkommen unwichtig werden. Das Lachen über tolle Gags, das Schimpfen auf NSA, GEZ, die Nationalmannshaft, die Schiris oder die großen Illuminati – die im Hintergrund die Strippen ziehen um die Weltherrschaft an sich zu reißen – und das Rumalbern auf Facebook und anderen Social Media, werden in ihrer Vielfalt verwirrend und unbewusst immer weiter ausgeblendet, bis die gesamte Informationsflut, die immer stärker auf uns einprasselt, immer leiser, undeutlicher und schließlich zu einem unartikuliertem Rauschen im Hintergrund wird, während der Autor an seinem alten Kurzwellenempfänger sitzt und versucht eine Botschaft aus einem Land weit jenseits der Realität zu empfangen.

Alles, was in irgendeiner Form die verträumte Konzentration unterbrechen könnte, wird also zur Seite geschoben während der Autor versucht die ganze Nachricht aus dem Land der Phantasie zu entschlüsseln und weitere Informationen zu erhalten.
Das sind dann die Momente, in denen das Leben um ihn herum tobt und er still und starr vor seinem Kurzwellenempfänger sitzt und mit unendlicher Geduld und ganz langsam das Band seines Empfängers absucht. Er hört zwar was um ihn herum geschieht, aber er registiert es nur, ohne darauf zu reagieren.
Das Jagdfieber ist stärker.
Die Neugier, was es mit diesem ominösen Nachrichtenfetzen auf sich hat, ist zu groß.
War es ein Hilferuf?
Eine Warnung?
Weitersuchen!
Das Kurzwellenband der Phantasie ganz langsam rauf und runter abgesucht.
Irgendwann muss der Sender sich doch wieder melden!

In so einem Moment befinde ich mich gerade.
Ich blende bewusst alles vermeintlich Störende aus, konzentriere mich nur auf meinen ganz persönlichen Kurzwellenempfänger und versuche die empfangenen Wortfetzen zu einer kompletten Nachricht zusammenzustellen.
Das ist zwar spannend (für mich zumindest 😀 ) aber für Aktivitäten in Sachen social Media nicht unbedingt zuträglich.
Man möge es mir also bitte nachsehen, wenn ich derzeit auf Facebook kaum noch zu finden bin oder hier auf meinem Blog eine gewisse Laschheit herrscht.
Das Jagdfieber hat mich gepackt.
Ich bin gespannt, was ich finden werde.

D.J.Franzen

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Eine Antwort zu Hintergrundrauschen

  1. sylvaroth schreibt:

    Klingt doch sehr vielversprechend.
    Dan wünsch ich mal guten Empfang und nen flinken Stift!

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