Masken

Wir alle tragen sie, als wäre das Leben ein Kostümball im Venedig der Renaissance.
Wir tänzeln umeinander herum und durch das Leben – die Einen leichtfüßig und grazil, die Anderen mit der dumpfen Verbissenheit des Tanzanfängers – und halten sie uns dabei vor das Gesicht, damit uns niemand in der wogenden See der Gesichter erkennt.
Manche dieser Masken wirken geheimnisvoll, andere emsig. Einige sind verwegen, andere kokettieren mit Schüchternheit und nur ganz wenige zeigen einen subtilen Humor der uns lachen lässt, aber bei einem zweiten Blick manchmal auch nachdenklich stimmt.
Und gerade Letztere war die Maske des Robin Williams, dem lachenden Pausenclown, dem dunklen Psyophaten, dem unglaublichen Entertainer.
Wir lachten über ihn, wir weinten mit ihm und einige wenige Male folgten wir ihm auf eine dunkle Seite, die wir von ihm gar nicht sehen wollten.
Viel lieber flogen wir mit ihm als Peter Pan und hofften, die guten Gedanken nie zu verlieren. Wir kämpften mit ihm mit einem lachenden und einem weinenden Auge als Mrs. Doubtfire um seine Kinder und wir sahen den nachdenklichen Mann mit manchmal stillem und manchmal schrillen Humor als Radiomoderator in Good morning Vietnam oder als Lehrer für das Leben in Good Will hunting.

Ja, wir alle tragen Masken, während wir durch den Kostümball des Lebens rauschen.
Jetzt ist eine dieser Masken gefallen, ein wahres Gesicht hat sich offenbart.
Ein Gesicht, hinter dem ein Mensch mit großen Problemen und einer Krankheit steckte, die bei allem Gutmenschentum und allem Problembewusstsein immer noch belächelt und als „Drückerberger-Syndrom“ abgetan wird. Besonders gerne wird dies bei erfolgreichen Menschen gemacht.
„Die haben doch alles was sie sich wünschen können!“, hört man oft, sobald sich einer dieser Menschen als depressiv outet

Offenbar nicht.
Denn hinter der Maske des Mork vom Ork, dem Make-up der Mrs. Doubtfire und dem strahlenden Lächeln des Peter Pan verbarg sich offenbar ein schüchterner Mann voller Ängste. Er verbarg sie hinter der Maske des Clowns vor uns und schenkte uns dafür unzählige Stunden großer Unterhaltung.
Bis die Maske zu schwer wurde, die Krankheit die Überhand gewann und er sie endgültig auf Seite legte.

Ich persönlich glaube, dass keine Dialogzeile zu Robin Williams je so gut gepasst hat, wie jene Zeile aus einem Gedicht von Walt Whitman (1819–1892) in dem Film „Club der toten Dichter“:
„Ich brülle mein barbarisches Johoo über die Dächer der Welt.“

Gut gebrüllt Löwe.
Kehre zurück nach Ork und erstatte deinem Vorgesetzten Orson Bericht über die merkwürdigen Sitten und Gebräuche der Menschen.

(In Memoriam Robin Williams, * 21. Juli 1951 in Chicago, Illinois; † 11. August 2014)

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