Über das Schreiben 2. Teil (Grundlagen)

Weiter geht es mit dem kleinen und nicht ganz ernst gemeinten Schreibratgeber.
Heute geht es um Professionalität, Pläne und Furzlogik 😉

4. Professionalität
Tolles Wort, nicht wahr? Dahinter verbergen sich aber weder eine Tweedjacke mit Lederaufnähern an den Ellenbogen, noch eine Nickelbrille, die einen Autor intelligent und weise aussehen lässt, noch das Lippenbekenntnis, dass man überhaupt schreibt. Professionalität bedeutet, seinen Text bestmöglich einer (hoffentlich) interessierten Menschheit zu präsentieren. Wer mit einem Verlag zusammenarbeiten will, zeigt bereits Professionalität, wenn er seinen Text in einer lesbaren Form anbietet. Lesbar bedeutet:
– korrekte Rechtschreibung (der Duden ist sogar online erreichbar und mit fast jeder Schreibsoftware kombinierbar)
– Der Text ist im Normseitenformat verfasst. 30 Zeilen zu je 60 Anschlägen in einer Schriftart, die keine Serifen hat (Courier New ist so eine), mit anderthalb Zeilen Abstand, linksbündig mit Flatterrand. Dialoge und Absätze ca. 3 Zeichen tief automatisch eingerückt und in ausgedruckter Form bitte ohne doppelseitigen Druck oder Bienchen und Blümchen und sonstigen Verzierungen an den Rändern. Letztere werden – wie auch die Rückseiten bei ausgedruckten Manuskripten – für die Anmerkungen eines Lektors genutzt. Die Normseite hat zudem Kopf- und Fußzeile. Die Kopfzeile enthält Name des Autors, Titel des Manuskripts und Seite x von y für den Überblick über den Gesamtumfang des Ganzen. Die Fußzeile enthält nochmals den Namen des Verfassers und seine Kontaktdaten.

Professionalität bedeutet aber auch, nicht den ersten Entwurf sofort an einen Verlag zu senden! Es gibt nur Einen, der von Anfang alles richtig gemacht hat.
Gott. (Obwohl ich da so meine Zweifel habe.)
Der Autor mag in seiner Welt die er entwirft Gott sein. Aber wenn er diese Welt anderen Menschen anbietet, war es das mit der Göttlichkeit. Dann gehört diese Welt anderen Menschen und sie werden sie misstrauisch begutachten, zu ihrer eigenen machen, Fehler entdecken, Logiklöcher finden durch die ein Supertanker im Dunkel und ohne Radar durchschippern könnte … (In diesem Sinne hat Gott doch alles richtig gemacht, aber wir haben es nur verschlimmbessert? Egal, das ist `ne andere Baustelle.) Also heißt es Schreiben, den Text liegen lassen um Abstand zu gewinnen, erneut lesen und überarbeiten, wieder liegen lassen … sagte ich schon, das unterhaltsames Schreiben zeit- und arbeitsintensiv ist?

Lektion 4
Professionalität ist hart erarbeitet und muss ständig gepflegt werden. Wer sich auf seinen Lorbeeren ausruht, ist weg vom Fenster oder kommt gar nicht erst dahin.
Ein Manuskript in Normseiten und mit halbwegs ordentlicher Grammatik und Rechtschreibung wirkt diesbezüglich wahre Wunder und ist der erste Schritt ernst genommen zu werden.
Der Zweite ist, sich darüber im Klaren zu sein, dass die erste Fassung immer Mist ist.
Der dritte Schritt ist, zu erkennen, dass man noch mehr Zeit und Arbeit in sein Manuskript investieren muss, damit es besser wird.

5.Kenne deinen Feind
Was auf den ersten Blick wie eine Erwerbsregel der Mafia klingt, ist in Wahrheit eine ganz banale Tatsache.
Wer als Fußballprofi sein Geld verdient, der wird nicht nur trainieren und selber spielen, er wird sich auch regelmäßig die Spiele anderer Mannschaften ansehen. Immerhin muss er ja wissen, was die anderen so drauf haben.
Für den Autor heißt das:
Lesen, lesen, lesen und nochmals lesen.
In der Bahn, in den Pausen, im Bett, im Flugzeug und auf everybodys Lieblingsort, dem Klo. Wer nicht liest, der weiß nicht was es schon gibt, was funktioniert und was wie brauner Abrieb auf dem Papier liegt. Wer nicht liest, der lernt nicht, was man mit welchen Worten in welcher Kombination erreichen kann.
Kurz gesagt:
Wer keine Zeit oder keine Lust hat, mehr als die nackten Brüste in der Zeitschrift mit den vier Buchstaben anzustarren (lesen will ich das jetzt mal nicht nennen) der sollte das Schreiben vergessen und ab hier aufhören zu lesen. Denn Schreiben ist zeit- und arbeitsintensiv (hängt es schon zum Hals raus? Gut. Kommt nämlich noch öfter!)
Und dazu gehört auch das Lesen.
Ein Arzt, der keine Fachbücher liest, ist schnell nicht mehr auf dem neusten Stand der Forschung. Ein Lehrer der nicht liest bringt seinen Schülern nur noch alten Mist bei, denn die Welt ist schneller geworden und wichtige Informationen und neue Erkenntnisse sind im Übermaß und schneller vorhanden, als noch vor wenigen Jahren.
Lesen bildet.
Ein Autor sollte in Sachen Literatur immer up-to-date sein. Das geht nur, wenn er viel und am bestem querbeet liest. Lesen und Schreiben sind nur zwei Aspekte ein und der selben Sache und werden uns nicht umsonst als Einheit schon in der Grundschule beigebracht. Mathe lernen, ohne selber zu rechnen ist wenig zweckbringend. Schreiben zu wollen, ohne dabei auch selber zu lesen, ist arrogant bis zum abwinken.

Lektion 5
Schreiben ohne zu lesen ist arrogant. Wer nicht viel und möglichst querbeet – vor allem aber in dem Genre, in dem er selber auch schreiben will – liest, vielleicht weil er dazu weder Zeit noch Lust hat, sollte nicht sich gar nicht erst mit dem Gedanken tragen, seine Worte zu Papier zu bringen.
Es gibt übrigens noch freie Plätze im Batik-Kurs auf der VHS für diejenigen, die keine Zeit zum Lesen haben. Melden Sie sich sich bitte im Sekretariat.

6. Der Plan und das Notizbuch
Es gibt die verschiedensten Typen von Autoren.
Es gibt den Bauchschreiber, der vermeintlich drauflos schreibt, den Minimalisten, der sich nur ein kurzes Exposè erstellt bevor er loslegt und es gibt den Pedanten, der jedes noch so kleine Detail vorab plant, aufschreibt und minutiös niederlegt, bevor er sich an die ersten Sätze seines Werks macht.
Allen ist aber eines gemeinsam:
Sie wissen wo sie mit ihrem Text hin wollen.
Selbst der Bauchschreiber hat eine Idee, und sei es nur eine Endszene oder eine Figur, auf der alles basiert.
Was heißt das im Klartext?
Ganz einfach:
Jede Reise beginnt mit dem ersten Schritt.
Im Fall des Schreibens heißt das, der Autor sollte vorher ganz grob wissen WAS er da überhaupt erzählen will. Weiß er das nicht, läuft er Gefahr dass sich sein Text irgendwo im Nirgendwo verliert, dass er plötzlich nicht mehr weiß wo er ist und wo er hinwollte. Dem kann man mit einem Plan und harter, disziplinierter Arbeit entgegenwirken. Sagte ich schon, dass man jeden Tag schreiben sollte? (Zum Kotzen, nicht wahr? Schon wieder harte und zeitintensive Arbeit. Ja, das Leben als Autor ist eben keine Kur auf dem Ponyhof.) Nun, wenn man ohne Plan loslegt und undiszipliniert einfach mal hier und da a bisserl rumtipperlt, wird das nichts mit dem Roman, der Novelle, der Kurzgeschichte. Ein Plan kann dabei helfen, auch Durststrecken zu überstehen. Tage, an denen man in seiner Schreibzeit nur Mist verzapft. Ein Plan kann dabei helfen im Wust seiner Ideen den richtigen Weg zu finden.
Und wie hält man Pläne fest?
Ich persönlich gehe nirgends ohne Notizbuch hin.
Selbst auf dem Klo habe ich eines griffbereit, denn wie oft hat man während einer Sitzung DEN Einfall für eine geniale Dialogzeile, die aber im Überschwang der Erleichterung (oder den von Faulgasen benebelten Sinnen) wieder aus dem Kopf verschwindet?

6.Lektion
Habe immer einen Plan für dein Schreiben – egal wie grob er auch sein mag – und habe immer ein Notizbuch griffbereit. Ideen sind flüchtiger wie Darmwinde und hinterlassen im Gegensatz zu ihren entfernten Verwandten noch nicht einmal den Hauch einer Erinnerung.

7.Humor, Ängste, Hoffnungen und Furzlogik
oder
Schreibe nur über das, was du auch kennst

Ein guter Text ist immer wie eine gelungene Verführung kurz vor dem Finale eines One-night Stands. Am Ende hat man den oder die Auserwählte in der Kiste.
Und so sollte auch jeder unterhaltende Text geschrieben werden. Wie eine gelungene Verführung, bei der die Leser dem Autor bereitwillig ins Schlafzimmer folgen, damit er ihnen seine Briefmarkensammlung (oder meinetwegen auch seine Lockenwickler) zeigen kann. Dafür muss man sich als Autor mächtig ins Zeug legen und auch etwas von sich selber preisgeben. Leser spüren es sofort, wenn ein Text unehrlich geschrieben wurde.
Ich bin zum Beispiel im Grunde meines Herzens immer noch ein Knirps von Zwölf Jahren. Ich glaube immer noch daran, dass ich eines Tages zum Mond fliegen kann, dass sich in Golfbällen eine zähe, grüne Masse befindet, die ätzend und hochgiftig ist, das man Vampire mit Stinkbomben bekämpfen kann, weil die einen hochkonzentrierten Knoblauchextrakt enthalten und mehr als einmal erwische ich mich dabei, wie ich mit der Ehrfurcht, die eben nur kleine Kinder und erwachsene Männer zuwege bringen, in die Kloschüssel starre und mich frage, wie zur Hölle ich DAS DA wohl hinbekommen habe.
Humor, Ängste, Hoffnungen und Furzlogik also.
Zieht sich durch alle meine Texte.
Manche mögen es, andere nicht und ich kann damit leben. Denn ich bin ehrlich und muss mich morgens beim rasieren (Verdammt! Bin ich schon so alt?) nicht schämen, weil ich die Menschen, die meine Texte kaufen, anlüge. Wenn ich schreibe lege ich all das Zeugs in meine Texte, das mich bewegt, die Erfahrungen meines bisherigen Lebens und die Dinge, die ich aus eigenem Erleben kenne.
Ich kenne Menschen.
Einige nett, andere weniger nett.
Und Jobs.
Jede Menge Jobs.
Manche Schön, andere nicht.
Das sind die Dinge, die ich kenne, das sind die Dinge die mich lachen und weinen machen, die mich ängstigen oder mich mit einer reinen und unverfälschten Freude jauchzen lassen. Und diese Dinge mische ich mit recherchiertem Wissen und einer guten Prise Fantasie, denn die Sachen, die ich so schreibe, sind weit jenseits dessen, was man real nennen könnte.
Und nein, ich schreibe keine Arzt- oder Bergsee- oder Adelsromane 😉
»Schreibe nur über das, was du auch kennst« ist ein allgemein oft genutzter Rat von Schreibratgebern und Schreibforen. Den sollte man nicht wortwörtlich nehmen. Ein Text besteht nicht nur aus Recherche und studiertem Fachwissen. Ein Text besteht zu 99% aus erlebter Menschlichkeit und dem, was der Autor von Menschen und der Welt weiß, von dem was ihn bewegt, was ihn lachen und weinen lässt. Dabei ist es egal, ob man Science Fiction, Horror oder den nächsten großen deutschen Gegenwartsroman schreiben will. Gute Literatur handelt immer von Menschen. Jeder, der dem Autor etwas anderes sagt, gehört umgehend in ein Dixiklo bei 40° im Schatten eingesperrt.
Vorzugsweise, nachdem es in der Kantine Chilli mit roten Bohnen gab.

7.Lektion
Schreibe über das was du kennst, so wie du es empfindest und so wie du es siehst und erlebst bzw. erlebt hast. Pflege deinen Humor, aber sei auch bereit dich selber beim Schreiben mal zum Weinen zu bringen, denn Ehrlichkeit kommt immer weiter, als pure Habgier und Lügen. Und wenn eine deiner Figuren Blähungen hat … raus damit. Ein Lacher und eine gerümpfte Nase sind immer besser, als fremde Gefühle und Erfahrungen, die im Grunde doch nur erstunken und erlogen sind.

Damit sind die Grundlagen des Schreibens abgehandelt.
Ehrlichkeit, Diszliplin und harte Textarbeit.
In den nächsten Teilen gehe ich auf das Handwerk des Schreibens ein, wie ich es verstehe.
Auch wieder mit einem Zwinkern und einem Grinsen.
So bin ich eben.

Bis dahin

D.J.Franzen

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