Über das Schreiben 8. Teil (Allgemeines)

Es hat eine Weile gedauert, bis ich den letzten Artikel der kleinen Serie über das Schreiben fertiggestellt habe.
Das liegt daran, dass ich den Finger auf ziemlich wunde Punkte lege, die nicht gerne gehört werden. Aber sie gehören eben zum Literaturbetrieb dazu und ich finde, sie sollten auch einem »Schreibratgeber« nicht fehlen.
Es hat deswegen so lange gedauert diesen Artikel zu schreiben, weil ich dafür die passenden Worte gesucht habe (wir erinnern uns: Schreiben ist harte und zeitintensive Arbeit)
Hier ist er also, nach etwas längerer Pause, der letzte Artikel zu …

»D.J.Franzen und wie er das Schreiben sah«

Allgemeines 1.0 »Das liebe Geld«

Über Geld spricht man nicht. Entweder man hat es, oder eben nicht. Das gilt auch für Autoren, wobei hier jedoch das Bild in der Öffentlichkeit nicht nur schräg ist, sondern auch ziemlich konträre Facetten aufweist.

Irrglaube Nummer 1
Mit Schreiben kann man sein Geld verdienen und davon leben.
Tatsache:
Kann man, wenn man viel und schnell schreibt und veröffentlicht und die Leute einem die Texte aus der Hand reißen. Meistens ist es jedoch so, dass das Schreiben eher einem 450€-Job mit weit geöffnetem Zeitkonto gleicht. Man arbeitet wie in einem Fulltime Job und bekommt alle drei Monate weniger heraus, als in einem 450€-Job.
Irrglaube Nummer 2
Autoren wollen nur gelesen werden.
Tatsache:
Ja, Autoren wollen gelesen werden. Aber vorzugsweise nachdem sie für ihre Arbeit – wie gering auch immer – entlohnt wurden. Schreiben ist harte Arbeit, wie ich zuvor in dieser Artikelreihe immer wieder erwähnte. Oder wollen Sie, weil Sie vielleicht ihr Hobby zum Beruf machten und Modelleisenbahnen verkaufen, für Nüsse arbeiten?
Irrglaube Nummer 3
Verlage sind alles Halsabschneider und nur Self-Puplishing ist das einzig Wahre
Tatsache:
Verlage verlegen nicht nur, sie legen auch vor. Leistungen wie Lektorat, Korrektorat, Cover, Vertrieb, Druck …
Alles Dinge, die ein SP selber erbringen muss.
Es ist also kein unumstößlicher Fakt, dass Verlage alle einer Content-Mafia angehören, welche die erhältlichen Bücher künstlich verknappt und die Autoren finanziell klein hält. Verlage sind Wirtschaftsunternehmen mit Gewinnerzielungsabsicht.
Ob man nun mit einem Verlag zusammenarbeiten mag, um bestimmte Aufgabe und Kosten, die mit dem Veröffentlichen eines Buches auf einen zukommen, abgeben will oder nicht, ist eine persönliche Entscheidung. Die Kosten, die für all die anfallenden Nebenarbeiten nach dem Schreiben anfallen, bleiben gleich. Aber weder die Veröffentlichung über einen Verlag, noch das Veröffentlichen als SP ist ein alleinseligmachender Kardinalsweg.
Schreiben ist harte, zeitintensive Arbeit.
Ein Buch veröffentlichen ist harte, zeit- und kostenintensive Arbeit.

Eng mit dem Thema »Geld« verbunden ist auch das Thema …

Allgemeines 2.0 »Idealismus«

Schreiben ist in vielerlei Hinsicht Idealismus. Und wie es in unserer schönen neuen Welt eben so ist, wird der auch schnell mal ausgenutzt.
»Warum soll ich für etwas zahlen, wenn ich es auch umsonst bekomme?«
Ich stehe diesem Thema etwas zwiegespalten gegenüber, denn ich bin Idealist. In meinen Träumen gebe ich beim Schreiben mein Bestes, verhalte mich aus Respekt gegenüber allen Beteiligten – und vor allem gegenüber den Lesern meiner Texte – wie ein Profi und bekomme dafür den gleichen Respekt und das gleiche professionelle Verhalten zurück.
Leider sieht die Realität oft etwas anders aus.
Oft wird man als Autor gebeten, hier was zu schreiben, dort was beizutragen und so weiter und so fort.
Für Nichts.
Für Lau.
Ist ja schließlich tolle Werbung für den Autor.
Ja, ist es in der Tat! Eine gute Kurzgeschichte in einer guten Anthologie befriedigt nicht nur den Verfasser, es ist auch gute Werbung für ihn.
Und hier kommt der Konflikt zwischen dem Idealisten und dem Kapitalisten.
Eine gute Kurzgeschichte kann gut und gerne mal 120 – 150 Stunden Arbeit bedeuten. Zeit, die der Autor nach dem Feierabend von seinem Brötchenjob investiert.
Zeit, in der er Familie, Verwandte und Freunde abwimmelt, um sein Bestes zu geben.
Zeit, die er im Grunde für Null Gegenleistung investiert.
Hier sollte also jeder für sich selber entscheiden, ob er bereit dafür ist, seine Umwelt regelmäßig vor den Kopf zu stoßen um »Werbung« für sich zu machen, aber am Ende nicht mehr als ein oder zwei Belegexemplare des fertigen Werks in seinem Regal stehen zu haben.
Und machen wir uns nichts vor:
Anthologien verkaufen sich derartig schlecht, da brauchen wir auch keine Exemplare mit Autorenrabatt zu ordern und auf eigene Faust versuchen zu verkaufen. Aufwand und Ertrag stehen da in keinem Verhältnis zueinander.
Ich kann und will da niemandem raten. Wenn es einem Autor bereits genügt, seine eigenen Werke im Regal stehen zu haben … bitte! Nur zu! Es hält ihn keiner auf.
Aber wer seine Freizeit dafür opfert, andere Menschen nach bestem Wissen und Können zu unterhalten, der macht meiner Meinung nach einen Job. Eine Arbeit. Und die sollte irgendwie auch entlohnt werden.
Ab und zu eine gute Kurzgeschichte in einer Anthologie mit guten Kollegen unterzubringen ist wirklich etwas Tolles! Das will ich auf keinen Fall in Abrede stellen.
Aber irgendwann möchte man doch, wenn man sich schon wie ein Profi verhält, auch wie ein Profi entlohnt werden.
Oder haben Sie jemals von einem Fußballnationalspieler gehört, der auf eigene Kosten nach Rio fliegt um dort ein Spiel für die deutsche Nationalelf zu bestreiten?

Und damit kommt der nächste Punkt des Themas Idealismus.

Allgemeines 2.1 »Idealismus, Lesungen und Cons«

Machen Sie sich darauf gefasst, dass Sie schnell als arroganter Schnösel angesehen werden, wenn Sie zwar schreiben und veröffentlichen, aber keinen (oder nur wenig) Urlaub und kein (oder nur begrenzt) Geld in Lesereisen quer durch die Lande oder etliche Conbesuche stecken.
Das sind nämlich Dinge, die Zeit und Geld kosten.
Anfahrt, gegebenenfalls Übernachtung vor Ort, Eintritt (ja, auch als Autor der auf einer Convention liest, also das Programm mitgestaltet, müssen Sie Eintritt zahlen), Verpflegung … das sind Investitionen.
Es ist »Werbung«.
Aber Hand auf`s Herz:
Spielen Sie mit Ihren Büchern auch so viel wieder ein, dass sie am Ende mit  +/- 0€ wieder rauskommen?
Wenn Sie das Schreiben natürlich als reines Hobby ansehen, ist dieser Punkt hier obsolet.
Jemand der dem Hobby Modelleisenbahn frönt und unzählige Stunden in den Aufbau und die Pflege seiner Anlage steckt, wird auch nicht unbedingt aufs Geld achten.
Aber da wir uns ja darauf geeinigt haben, dass gutes Schreiben damit beginnt, sich wie ein Profi zu verhalten und zu arbeiten … wie war das doch gleich mit dem Nationalspieler und der Reise nach Rio?
Verstehen Sie mich nicht falsch, es gibt nichts schöneres, als ganz persönlich auf die Leser seiner Texte zu treffen! Das ist etwas, das man erlebt haben muss und ich möchte um kein Geld der Welt diese Momente missen 🙂
Und genau hier setzt die Gratwanderung zwischen Idealsismus und Realismus ein:
Lesereisen und Conbesuche kosten den Autor (Urlaubs)Zeit und Geld.
Wer nur das Bad im Kreise seiner Bewunderer sucht, wird jetzt den Kopf schütteln.
Wer aber Freunde, Familie und Verwandte regelmäßig abwimmelt, damit er schreiben kann, und wer am Ende vom Geld noch jede Menge Monat übrig hat und auf die kleinen Beträge, die vielleicht mit dem Schreiben reinkommen und die Haushaltskasse aufbessern, angewiesen ist, der wird das Dilemma verstehen.
Rechnen Sie also damit, dass sie entweder mehr Zeit und Geld ins Schreiben und Veröffentlichen pumpen, als sie bisher für möglich gehalten haben, oder damit, dass Sie versuchen eine Balance zwischen Aufwand und Ertrag zu halten und schnell als arroganter Schnösel angesehen werden.
Sollten Ihre Verkaufszahlen allerdings durch die Decke gehen und sie auf Augenhöhe mit solchen Größen wie King, Follet & Co, stehen, stellt sich sie diese Frage eh nicht mehr.
Die werden nämlich für Lesereisen etc. bezahlt 😉

Allgemeines 3.0 »Lektorat und Korrektorat«

Hier gibt es offenbar ein ganz großes Missverständnis.
Ein Lektor ist jemand, der die innere Struktur einer Geschichte abklopft, auf Fehler aufmerksam macht und auf die Erzählstimme und ähnliches achtet.
Ein Korrektor ist jemand, der den Text auf Rechtschreib- und Grammatikfehler abklopft.
Beides sind harte Jobs, die aber nicht verwechselt werden dürfen.

Ein guter Lektor ist am ehesten jemand, der selber KEIN AUTOR IST.
Sorry, liebe Kollegen und Kolleginnen, aber ich habe schon zu oft miterleben müssen, wie ein Autor der als Lektor auftritt seinen eigenen Stil, seine eigene Erzählstimme einem fremden Text aufdrücken wollte, was letztendlich zu Frust auf beiden Seiten führte.
Ein guter Korrektor ist jemand, der nachweislich mehr kann, als einfach nur einen Text durch den Duden-Korrektor 9.0 laufen zu lassen.
Das kann ein Autor auch selber (siehe hierzu 3.3 Das Schreibutensil)

Allgemeines 4.0 »Autorenforen«

Das sind virtuelle Orte, an denen sich Autoren treffen um sich fachlich auszutauschen.
Idealerweise.
Manchmal sind Autorenforen aber Haifischbecken. Nur die Stärksten überleben und wer die dickste Lobby im Rücken hat, hat immer recht.
Autorenforen können natürlich auch ganz wunderbare Orte sein, in denen man Hilfe und Unterstützung erhält und zurückgibt. Aber sie können auch ganz schnell – so wie auch Facebook, Twitter, Google+ etc.pp. – arge Zeitfresser werden, denn in der Zeit, in der man über das Schreiben redet, schreibt man nicht 😉
Wenn es machbar ist sollte man vor der Anmeldung in den offenen Bereichen herumstöbern und versuchen zu erkennen, ob man in so ein Forum passt oder nicht, wie der Umgangston untereinander ist, wie dort geholfen wird und wie die gemeinsame Textarbeit abläuft.
Finger weg von Foren, wo diese Arbeiten für jedermann einsehbar sind!

Das Beste habe ich mir dann für den Schluss dieses kleinen »Schreibratgebers« aufgehoben.

Allgemeines 5.0 »Schreibratgeber«

Sind eine tolle Sache. Sie können einem oft Dinge zeigen, auf die man alleine nicht gekommen wäre.
Aber sie neigen auch zum Absolutismus.
Ihr Wort ist in Stein gemeißelt und der Verfasser ist ein langbärtiger Typ der vom Berg Sinai gestiegen ist, um die andächtig lauschende Gemeinde der Schreiber mit seiner Weisheit zu beglücken und alle die an seinen Worten zweifeln mit seinen Blicken zu versteinern.
Ich bin da kein bisschen anders.
Okay, ich habe keinen langen Bart und mit Bergsteigen habe ich es auch nicht so.
Aber der Sinn dahinter sollte klar sein:
Schreibratgeber sind nur Denkanstöße, keine ehernen Gesetze.
Ich habe in dieser kleinen Artikelserie nur das niedergeschrieben, was ich persönlich für Wichtig erachte.
Und ja, ich habe dabei ordentlich auf den Putz gehauen.
Und?
So bin ich eben.
Es macht mir selber mehr Spaß (und Ihnen hoffentlich auch!) als einfach nur das Herunterbeten trockener Fakten oder dem, was ich dafür halte. Letztendlich ist Schreiben etwas ganz individuelles, ja geradezu intimes.
Lassen Sie sich etwa vorschreiben, wie sie daheim den ehelichen Akt zu vollziehen haben?
Nicht?
Na dann … gutes und unterhaltsames Schreiben ist wie eine gelungene Verführung.
Da hat jeder seine eigene Herangehensweise.
Tipps dafür sind okay, Gesetze und Regeln nicht.
Und so ist auch diese Artikelserie zu lesen:
Als eine Ansammlung von Tipps.
Nicht als Gesetzbuch.

Und jetzt, liebe Gemeinde, gehet hin und verführet euch gegenseitig 😉
Wie man das angehen kann, wisst ihr jetzt ja.

D.J.Franzen

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